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Kino: Man on a Ledge

Von Asger Leth | Thriller | Start: 26. January 2012 Ein Streifen, der über 100 Minuten dauert und dabei hauptsächlich darauf basiert, dass ein entflohener Häftling auf einem Fenstersims steht und mit Selbstmord droht, falls seine Unschuld nicht anerkannt wird. Klingt im ersten Moment etwas langweilig – im ersten Moment!

von Marco Bichsel

Als 2002 mit «Phone Booth» ein Film ins Kino kam, in dem Hauptdarsteller Colin Farrell fast durchgehend in einer Telefonzelle steht, hatte ich denselben Eindruck und habe ich mich gefragt, was der Schwachsinn soll. Meine angegriffenen Nerven konnten die Frage nach dem Kinobesuch beantworten. Nun kommt mit «Man on a Ledge» erneut ein Thriller, der sich zu einem grossen Teil auf kleinstem Raum abspielt und wieder geht die Story unerwartet intensiv an die Nieren. Ein paar Tage nachdem Nick Cassidy (Sam Worthington, «Avatar»), ein zu 25 Jahren verurteilter Cop, während der Beerdigung seines Vater flieht, schreibt er in einem New Yorker Hotelzimmer einen Abschiedsbrief. Anschliessend stellt er sich auf den Fenstersims im 21.Stock und wartet darauf entdeckt zu werden, wobei es ihm einzig darum geht, die Aufmerksamkeit des NYPD auf sich zu ziehen. Mit seinem vorgetäuschten Selbstmordversuch will er Zeit für seinen Bruder (Jamie Bell) gewinnen, welcher auf der gegenüberliegenden Strassenseite beim Immobilienkönig David Englander (Ed Harris) einbricht, um den Beweis für Nicks Unschuld zu finden.

«Man on a Ledge» spielt gekonnt mit Figuren, deren Absichten und Hintergründe erst nach und nach aufgedeckt werden und baut eine Spannung auf, die beinahe unerträglich wird. Zudem ist Sam Worthington die Rolle des zu Unrecht verurteilten Häftlings auf den Leib geschrieben, wie auch Ed Harris, der als arroganter Tycoon das Blut des Zuschauers zum Kochen bringt. Leider aber hat die Story ein paar Wendungen, die an den Haaren herbeigezogen oder masslos übertrieben erscheinen, was dem ansonsten genialen Thriller einiges an Glaubwürdigkeit nimmt. Wer es aber schafft, darüber hinweg zu sehen, wird begeistert und elektrisiert aus dem Kino kommen, auch dank einem überraschenden Happy End, bei dem klar wird, dass nicht bloss der Selbstmordversuch vorgetäuscht war...

Tags: Filmkritik, Marco Bichsel, Rezension, Thriller