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Kino: The Descendants

Von Alexander Payne | Drama | Start: 26. January 2012 «The Descendants» ist in Amerika bereits ein gefeiertes Drama, welches bei den Golden Globes gross abgeräumt hat. Doch weshalb regnet es Awards, wenn George Clooney auf Hawaii in eine Rolle schlüpft, in der die meisten Familienväter ohnehin längst stecken?

von Marco Bichsel

Matt King (George Clooney) ist ein Anwalt auf Hawaii, der es stets bevorzugt hat, sich in die Arbeit zu stürzen, anstatt sich mit seinen Töchtern abzugeben. Erst als seine Frau einen Motorbootunfall hat, fängt er an, sich mit seiner Rolle als Vater auseinander zu setzen und erkennt, wie viel an ihm vorbei gegangen ist. Seine ältere Tochter Alexandra (Shailene Woodley) säuft im Internat herum, die jüngere Scottie (Amara Miller) zieht sich mit zehn bereits Pornos rein und seine im Koma liegende Frau (Patricia Hastie) hatte vor ihrem Unfall eine Affäre. Zur selben Zeit ist sein Clan um den Verkauf eines unberührten Stück Hawaiianischen Landes bemüht, welches Matt, als Zeichnungsberechtigter Verwalter, eigentlich gar nicht hergeben will. Es ist höchste Zeit für ihn, sein Leben zurück zu erobern und zu retten, was noch zu retten ist.

Die Geschichte der Familie King ist so gewöhnlich, dass es einem leicht fällt sich in sie hineinzuversetzen. Tragisch und doch irgendwie urkomisch erzählt sie von den kleinen und grossen Dramen des Lebens, welche wir alle kennen und gerne mit den Protagonisten des Filmes teilen. Doch was macht diese Alltagsgeschichte zum Mitfavoriten für die Oscars? Zum einen ist da die unaufgeregte und doch emotionale Erzählart von Regisseur Alexander Payne, welche diesen Film zu einer Perle macht. Man darf bei ihm in Szenen lachen, die nicht lustig sind und in anderen weinen, ohne wirklich traurig zu sein. Das ist grosses Kinoerlebnis. Zum anderen ist da Clooney, der den orientierungslosen Familienvater so entwaffnend offen spielt, dass man ihm den betrogenen Ehemann am Ende des Filmes eher abnimmt, als den Titel zum «Sexiest Man Alive». Alleine seine Mimik und seine Körpersprache machen diesen Film zu einem Happening und werden ihm am 24.Februar wohl seine dritte Oscarnominierung als bester Schauspieler einbringen.

Das eigentliche Highlight an «The Descendants» ist aber Hawaii. Die Aufnahmen aus Honolulu und Hanalai Bay vermitteln dem Zuschauer einen Eindruck der Inselkultur, ohne dabei das perfekte Paradies vorgaukeln zu wollen. Im Gegenteil, oft sieht es nach Regen aus und doch verliebt man sich unweigerlich in die farbenfrohe Natur und die beruhigenden Klänge. Auch wenn Matt King beteuert, dass das Leben auf Hawaii nicht besser sei als sonst wo, ist man doch froh, das Grossraumbüro für 90 Minuten gegen die Strände einer Vulkaninsel tauschen zu können. Dieser Film ist definitiv einen Kinobesuch wert.

Tags: Drama, Filmkritik, George Clooney, Marco Bichsel, Rezension