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Das Ende der 3er-WG

Dies ist die allerletzte Geschichte der 3er-WG. Zum feierlichen Abschluss geben wir zusammen mit dem Autor die Sammlung von 50 Geschichten heraus.

von André Bähler

Es gab eine Zeit, da Beat nicht mehr daran glaubte, dass er sein Studium erfolgreich abschliessen würde. Wenn er ehrlich ist, dauerte diese Zeit praktisch von Anfang bis Ende seines Studiums. Doch jetzt hat er den Master in der Tasche, wird aus der WG ausziehen, seine Habseligkeiten einlagern und sich auf eine Weltreise mit unbestimmter Dauer begeben.

Auch Rebekka hat ihr Studium abgeschlossen und wird nun eine Praktikumsstelle als Betriebspsychologin in München antreten. John tut den beiden ein wenig leid. Einerseits, weil sie beide aus der WG ausziehen werden, andererseits, weil er als Einziger noch weiterstudieren muss. Doch John trägt es mit Fassung und hat sich entschlossen, die gemeinsame Wohnung aufzugeben: «Natürlich könnte ich zwei neue WG-Mitglieder suchen, aber ohne euch wäre es nie mehr dasselbe. Lasst uns die WG auflösen – mit einer würdigen ‹Ustrinkete›.»

Zur «Ustrinkete» kommen viel mehr Leute als erwartet. Bald ist die Wohnung völlig überfüllt und so feiern ein paar Leute auf dem Vorplatz des Hauses. Um sich warm zu halten, zünden sie dort ein grosses Feuer an – die perfekte Scheiterbeige von Nachbar Knörri existiert schon bald nicht mehr. Schliesslich verlagert sich das ganze Fest auf den Vorplatz und die Strasse, es hat eine Eigendynamik angenommen, die nicht mehr zu kontrollieren ist. Immer mehr Leute strömen herbei, bringen Bier, Wodka und Whisky mit, denn das, was es auszutrinken gab, ist längstens ausgetrunken. Beat und Rebekka versuchen gerade den aufgebrachten Knörri davon abzuhalten, die Polizei zu rufen, als sie plötzlich John sehen, der mit einer riesigen Tasche in der Hand auf einen Stuhl steigt und um Aufmerksamkeit bittet. Als er sich endlich Gehör verschafft hat, sagt er: «Liebe Leute, heute gibt es gleich dreifachen Grund zum Feiern! Nicht nur Rebekka und Beat sind mit ihrem Studium fertig, sondern auch ich. Ich habe nicht die geringste Lust, mein Studium fortzusetzen!» Unter dem tosenden Applaus der nicht mehr ganz nüchternen Menge öffnet er seinen Sack, entnimmt ihm einen Ordner und schreit «Nie mehr Statistik!» und wirft ihn ins Feuer. Dann hält er ein blaues Skript in die Höhe: «Nie mehr nervtötende Musikethnologie-Seminare!» Nach und nach wirft John die gesamten Unterlagen seines Studiums ins Feuer. Jeder Wurf wird von einem lauten «Olé» der aufgeputschten Menge begleitet. Auch als John nichts mehr zum Verbrennen hat, bleibt er auf dem Stuhl stehen. Jetzt muss er alles rauslassen, was sich angestaut hat: «Nie mehr etwas Unsinniges auswendig lernen, das dich einen Scheiss interessiert! Nie mehr an ECTS-Punkte denken müssen! Nie mehr Mensa-Frass! Nie mehr Uni!»

Es wird eine lange Nacht. Immer wieder skandieren einzelne Gruppen oder alle zusammen: «Nie mehr Uni! Nie mehr Uni! Nie mehr Uni!»
Als die letzten Teilnehmer der «Ustrinkete» gehen, sendet die Sonne bereits ihre ersten Strahlen auf Beat, Rebekka und John. Rebekka fragt John, was er nun für Pläne habe. John sagt: «Keine Ahnung. Vielleicht werde ich bei der Müllabfuhr arbeiten oder ich eröffne eine Strandbar. Das Einzige, was ich weiss: Ich will nicht mehr studieren – ich will leben! Nie mehr Uni!»
«Nie mehr Uni!», rufen alle drei gemeinsam.

Welcher Student kennt sie nicht - John, Rebekka und Beat aus der flotten 3er-WG. Seit 4 Jahren haben sie das StudiVersum und semestra.ch mit ihren Eskapaden bereichert. Nun ist die Zeit gekommen, das Studium hinter sich zu lassen.

André Bähler, der Autor der Kurzgeschichten, hat die Perlen gesammelt und ein Werk zusammengestellt, das sich sehen lässt: 50 Geschichten ums Studentenleben! Empfehlenswert für jeden Leser, der schwarzen Humor mag!

Zur Bestellung.

Tags: Abschluss, André Bähler, Kurzgeschichte, Studenten, Studium, StudiVersum, WG
Artikel erschienen am 29.12.2011 um 09:00 Uhr