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Design der Gegensätze

Bei Schwarz und Weiss gibt es keine Graustufen. Die einen sagen, sie seine keine Farben, die anderen zählen sie als Anfang und Ende der Farbpalette. Ohne sie wären Hell und Dunkel nicht so dunkel und nicht so hell. Das Museum für Gestaltung in Zürich hat den beiden Extremen eine Ausstellung gewidmet.

Von Claudia Piwecki

Es beginnt weder schaurig finster noch blendend grell, sondern mit Physik. Wie das menschliche Auge Farben wahrnimmt und wiedergibt ist ein komplexer Prozess. Alle Farben zusammen ergeben weiss, keine Farben, die sich sammeln, nimmt man als schwarz wahr. In der Zeichenstunde war diese Erfahrung zwar umgekehrt, aber die Abläufe im Gehirn verlangen oft mehr als einfache Logik. Eine kurze Geschichte durch die Entstehung der Farbsysteme gibt nicht mehr Durchblick, aber zeigt, dass die Definition von Schwarz und Weiss schon immer kontrovers war. Angefangen bei Aristoteles, der sie als Pole der Buntfarben benannte, geht es über Newton, der das System der Spektralfarben nachwies, zu Philipp Otto Runge (ein deutscher Maler aus der Frühromantik), der sie aus künstlerischer Perspektive wieder an die Pole beförderte. Heute werden sie als achromatische, das heisst unbunte Primärfarben, bezeichnet und polarisieren weiterhin.

Die Ausstellung geht zeitlich vor. Zuerst wird in Kurzfilmen auf vielen Bildschirmen die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung von Schwarz und Weiss gezeigt. Noch kontrastreicher als in der Kunst stehen sich die beiden unbunten Farben in ihrer Symbolik gegenüber: Schwarz steht für das Böse, den Tod, das Ende, im christlichen Glauben für die Trauer, psychologisch für das Unbewusste. Gleichzeitig hat es aber auch eine gewisse Eleganz und seriöse Ausstrahlung. Weiss wird oft dem Göttlichen zugeordnet und steht für das Gute, die Reinheit, Wahrheit, Weite und Unschuld. Es kann auch negativ assoziiert werden als leer, geisterhaft und Farbe der Kälte. Während der ganzen Ausstellung wird man von Musik begleitet, die sich mit Schwarz und Weiss befasst, wie Amy Winehouses «Back to Black» oder «Black or White» von Michael Jackson.

Dann beginnt die Reise durch Design, Mode und Architektur. Begonnen in den Zwanziger Jahren stehen und liegen auf der einen Seite Kleider, Alltagsgegenstände, Schmuck, Elektrogeräte, Lampen und Büromaterial mal in Schwarz, mal in Weiss, mal bunt vermischt. Auf der anderen Seite hängen Bilder an den Wänden von weissen und schwarzen Gebäuden. In der Architektur fällt auf, dass wenn mit den kontrastreichen Farben gearbeitet wurde, die Klarheit der Linien und Formen unterstrichen werden wollte. Das blieb über die Jahre so. Es fing an bei Le Corbusier und zeigt sich heute mit Steven Holls und Ludwig Mies van der Rohe. Im Design ist es ähnlich: besonders zwischen den Sechziger und Achziger Jahren wurden Schwarz und Weiss zusammen verwendet, oft in psychedelischer Kombination. Davor und danach erscheinen sie meist isolierter, entweder das eine oder das andere. In der Mode zeigt sich die kulturelle Bedeutung noch sehr stark, zum Teil bis heute, man denke nur an das weisse Brautkleid. Zwar wird Schwarz nicht mehr nur als Trauerfarbe gesehen, jedoch gibt es bis heute feste Modeerscheinungen, wie das weisse Hemd oder das kleine Schwarze. Da erscheinen nicht nur zwei Kleidungsstücke vor Augen, sondern ganze Erlebnisse und Erfahrungen, die sie mit sich bringen.

Die Ausstellung, die sich ganz den beiden «Unfarben» widmet, zeigt, wie schön sie sein können, wie brutal sie oft auftreten und wie wenig beachtet sie meist im Alltag sind. Eigentlich könnte man die Geschichte der Menschheit auch als Schwarzweiss-Film zeigen, ohne dass etwas fehlen würde. Deswegen wird aber auch die Lust auf Farben grösser, die dann zwar nicht so sehr polarisieren können und eine kleinere Spannbreite haben, unserem Leben aber genau die Kleckse geben, welche die Basis Schwarz und Weiss nicht geben kann. Trotzdem: eine gelungene Sammlung mit Gegenständen der Pole unserer Wahrnehmung.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 4. März 2012 im Museum für Gestaltung in Zürich.

Tags: Claudia Piwecki, Design, Museum für Gestaltung, Zürich
Artikel erschienen am 15.02.2012 um 14:15 Uhr