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Einer wie Beni

Anfang Jahr hat das Schweizer Sportfernsehen Beni Turnherrs Nachfolger gesucht und am 14. März gefunden: er heisst Markus Hubacher, ist 23 Jahre alt und kommt aus Jegenstorf BE. Was so ein grosses Erbe bedeutet und worauf er sich jetzt am meisten freut, hat er uns im Interview erzählt.

von Claudia Piwecki

Markus, herzliche Gratulation zum Beni!! Hättest du je gedacht, dass du mal von dir sagen kannst, der Nachfolger eines der bekanntesten Gesichter und Stimmen des Schweizer Fernsehens zu sein?
MH: Vielen Dank!! Nein, niemals, ich bin selbst überrascht, dass ich soweit gekommen bin!! Aber ich freue mich wahnsinnig. Eigentlich war meine Teilnahme eine spontane Aktion. Der Ehrgeiz kam erst, als wir nur noch zu sechst waren und ich mir Gedanken gemacht habe: irgendetwas musst du hier richtigmachen. Auch dann hab ich aber versucht locker zu bleiben, weil vorbereiten konnten wir uns eh nicht wirklich.

Wie muss denn ein Beni sein?
Ich denke, seine wichtigste Eigenschaft ist, dass er authentisch ist. Natürlich muss man als Kommentator auch witzig und schlagfertig sein, aber ich glaube Beni ist eine Legende dadurch, dass er polarisiert. Ich habe ihn so erlebt, wie er auch im Fernsehen rüberkommt, er hat kein Gesicht aufgesetzt.

Wieso bist du mehr wie Beni als die anderen? Was war dein Erfolgsgeheimnis?
Es ist unmöglich einen Beni Turnherr kopieren zu wollen, aber das war auch gar nicht das Ziel. Die letzten 8 waren alle sehr verschieden und das war gut so! Sich selbst zu bleiben ist, glaube ich, ist das Wichtigste in so einem Beruf. Alles andere merkt der Zuschauer. Das habe ich versucht. Die Sendung heisst ja auch «Einer WIE Beni» und nicht «Ein neuer Beni». Man kann sowieso nicht zwei Kommentatoren vergleichen. Wieso gerade ich es bis am Schluss geschafft hab, kann ich nicht sagen. Vielleicht weil ich die richtige Mischung zwischen Lockerbleiben und Ehrgeiz hatte?! Ich hatte sogar den Ruf, introvertiert und still zu sein. Das ist mein Charakter, ich schau mir lieber zuerst alles an als dass ich mich in den Mittelpunkt dränge. Beni hat einmal gesagt: «So introvertiert ist er gar nicht, er isch eifach en Berner.»

Wieso hast du mitgemacht?
Das war eine spontane Aktion. Mit meinem Cousin hab ich schon seit Jahren Witze gemacht, dass es cool wäre mal einen Fussballmatch zu kommentieren. Ein Freund von mir hat auch einmal gesagt, an mir wäre ein Kommentator verloren gegangen. Von dem Casting hab ich durch Zufall erfahren und bin spontan noch am gleichen Tag zum Casting nach Basel. Dort musste ich drei Stunden anstehen um 40 Sekunden zu reden. Irgendwas hatte ich richtig gemacht, denn ich wurde für die nächste Runde nach Zürich eingeladen.

Wie hast du den echten Beni erlebt?
Er war mit Herz und Seele bei der Sendung dabei, hat sich für uns interessiert und war sehr nahe bei den Kandidaten. Er ist individuell auf uns eingegangen und gab uns immer ein ehrliches Feedback. Beni wäre nicht Beni, wenn er nicht immer einen Spruch auf Lager gehabt hätte. Das hat uns die Nervosität genommen und aufgelockert.

Was war die grösste Herausforderung?
Die letzte Aufgabe, das Live-Kommentieren. Da durfte ich mir keinen Versprecher mehr erlauben. Wir waren vor Ort und da bin ich mir erst bewusst geworden wieviel Organisation und Arbeit hinter einer Challenge League-Sendung steckt. Damit alles reibungslos funktioniert, steht ein grosses Team dahinter. Das war eine ganz andere Nervosität, hat mich aber auch bestätigt, dass ich das machen will.

Wie hast du eine Castingshow als Teilnehmer erlebt?
Wenn ich ehrlich bin, habe ich kein so tolles Bild von Castingshows, mittlerweile gibt es ja so viele! Andererseits bietet es Leuten jedoch Chancen, an die man sonst nicht mal denken könnte. «Einer wie Beni» war aber auch nicht so sensationsgeil aufgemacht wie andere Castingshows. Im Gegenteil, man hat nie versucht, uns lächerlich zu machen. Die Produzenten hätten viel peinlichere Situationen von uns ausstrahlen können, blieben aber human und haben wirklich die Realität gezeigt, so wie es war. Auch vor der Jury mussten wir keine Angst haben. Sie haben uns konstruktive Kritik gegeben und sich nie über uns lustig gemacht. Es war eine super Erfahrung für mich. Ich hab eher neue Freunde gefunden als neue Rivalen.

Wie hast du dich immer vorbereitet?
Mh, da bin ich kein Vorbild gewesen. Ich habs eher locker genommen. Zum Beispiel als wir die Garderobenansprache machen mussten, habe ich mir auf der Hinfahrt im Auto was überlegt und an meine eigene Sporterfahrung als Unihockey-Spieler gedacht. Als ich gesehen hatte, dass andere sich soviel aufgeschrieben habe, wurde ich nervös. Im Nachhinein hat sich aber rausgestellt, dass Spontansein eher ein Vorteil ist. Martin, zum Beispiel, der Spontanste von uns, hatte sich bei der Übung auch genau vorbereitet und hatte dann ein Blackout. Glück spielt aber schon auch eine Rolle, dass einem im richtigen Moment das Richtige einfällt. Doch auch das gehört zum Kommentieren. ☺

Was erwartet dich jetzt?
Jetzt muss ich mich vorbereiten. Ich werde meine ersten Challenge League Spiele kommentieren. Ich geh nach Zürich und schau mir den Ablauf einer Sendung genau an, habe Training für die Stimme, spreche mit den Trainern und befasse mich mit den Mannschaften. Vorbereitung ist die halbe Miete. Man weiss nie, wie ein Spiel ist, da ist es wichtig, dass man die Fakten kennt. Ich darf keine Detailfehler machen, wie zum Beispiel Spieler verwechseln, was während der Show nicht gravierend war. Gewisse Eckpfeiler muss ich haben, mir Fragen für meinen Co-Kommentator überlegen und Anekdoten über die Spieler vom Trainer erfahren. Auf keinen Fall darf ich noch einmal den 16-Meter-Raum 11-Meter-Raum nennen, was mir bei der Show passiert ist, das hat mir Beni schon eingetrichtert.

Wie siehst du deine Zukunft?
Ich mach jetzt erst mal Schritt für Schritt. Mein Ziel wäre schon, in der Branche zu bleiben, aber erstmal muss ich mich noch bewähren. Durch die Show hat sich eine Türe geöffnet und diese Chance möchte ich jetzt nutzen. Meine Welt hat sich aber nicht um 180 Grad gedreht. Bei den 10 Spielen, die ich kommentieren werde, steht jetzt der Match im Vordergrund und nicht meine Leistung als Castingteilnehmer. Ich möchte meinen Job dort gut machen und hoffe, dass mich das dann weiterbringt.

Im April wird Markus sein erstes Spiel kommentieren zusammen mit Rainer Bieli. Wir sind gespannt, wo es den Berner noch hinverschlägt und drücken die Daumen. Einer wie Beni ist er schon, einer wie Markus kann er jetzt werden!!

 

 

Tags: Beni, Claudia Piwecki, Kommentator, Sport
Artikel erschienen am 05.04.2011 um 08:14 Uhr