Flying Lotus in der Roten Fabrik
Delayed planes, drugs and electro-hiphop oder die Frage nach dem Seelenheil der grünen Hoffnung.
von Filip Dingerkus
Nein, diese Live-Performance gehörte keinesfalls zu den Highlights der diesjährigen Konzerte und an dieser Stelle sollte eine Warnung an alle heillosen Flying Lotus Fans ausgesprochen werden. Über das Genie (bürgerlich Steven Ellison), welcher von einigen als legitimer musikrevolutionärer Nachfolger von Aphex Twin gesehen wird, herrschen keine Zweifel; über sein von Krativität entleertes DJ-Set in der Roten Fabrik, darf hingegen die Nase gerümpft werden.
Als Grossneffe der Jazzmusikerin Alice Coltrane (in der Tat die Ex-Ehefrau des legendären John Coltrane) wurde er mit dem Musikgen gesegnet. Die Virtuosität des US-Amerikaners blitze an dem Abend aber nur fragmentarisch auf: Meistens lediglich bei den kurzen mehrsekündigen Übergängen zwischen den Liedern. Ansonsten beschränkte er sich auf vorbereitetes, zumeist hiphop-lastiges Material, was viel stärker seine Produzententätigkeit, als seinen Status des Solokünstlers repräsentierte. Im Wissen um die grössere Präsenz eines rap-affinen Publikums liess er die weniger zahlreich erschienenen Electrofans ein bisschen auf der Strecke. Hätte er sein Macbook dem Haus-DJ in die Hand gedrückt, wäre wohl etwa das Gleiche dabei herausgekommen. Das soll wiederum nicht generell die überragenden Fähigkeiten von Flying Lotus in Frage stellen, bloss seine uninspirierte auf Sicherheit bedachte Darbietung. Alibimässig spielte er etwas mit den Reglern herum, denn die Tracks waren alle (wie bereits erwähnt) vorgefertigt. Ein paarmal an der Lautstärke geschraubt, hier und da einmal eine Spur getriggert und wieder ausgeschaltet – der anspruchslosen Masse, die bloss einmal wieder «geil» Party machen wollte, schien es interessanterweise zu genügen.
Nach etwa einer Stunde nahmen womöglich seine Entzugserscheinungen zu, worauf hin er sich vom Publikum mit Mariuhana versorgen liess. Nur kurze Zeit später war er auf den Geschmack gekommen und grapschte wie ein Schuljunge auf einem Süssigkeitenflash nach dem zweiten Joint. Was folgte war absehbar. Er hatte sich innert 5 Minuten selbst schach-matt gesetzt und die Fingerfertigkeiten reichten bloss noch aus, um die Playtaste für den letzten Song zu betätigen. Sichtlich zugedröhnt, freute sich der junge Mann auf der Bühne über seinen Auftritt und entschuldigte sich nochmals für das Verschieben des Konzerttermins. Dass sein Programm bereits nach 70 Minuten zu Ende war, störte kaum jemanden. Viele waren schliesslich auch wie er… sichtlich zugedröhnt.
Tags: Electro, Filip Dingerkus, Hiphop, Konzert, Rote Fabrik
Artikel erschienen am 16.12.2011 um 23:40 Uhr