Geheimtipps vom Juror
Wer bis jetzt auf der faulen Haut gelegen ist und sich trotzdem ein lukratives Praktikum auf der SZ-Redaktion ergattern möchte, muss sich sputen: Am Sonntag, 29. Januar ist Abgabetermin. Und damit du auch weisst, worauf die Juroren achten, hat Hanna Widmer für Euch ein Interview mit Nik Walter geführt. Der SZ-Mann (Leiter Ressort Wissen) gibt Auskunft über seine persönliche Vorlieben bei Texten.
Guten Tag, Herr Walter. Erst mal herzlichen Dank, dass Sie sich bereit erklären haben, uns einige Fragen zu beantworten. Nun aber zum Thema «Studentenpreis». «Liebe auf den ersten Blick resp. das erste Lesen»: Gibt es das ab und zu beim Studentenpreisartikellesen?
«Liebe auf den ersten Blick» würde ich eher nicht sagen. Das kommt ganz selten vor, auch wenn ich Texte von Kollegen oder anderen Profis lese. Aber manchmal passiert es halt doch, dass einem beim ersten Lesen das Thema, die Sprache des Textes oder dessen frischer Zugang fesselt. Durchaus auch bei Studentenpreis-Texten.
Worauf legen Sie persönlich grossen Wert? Was ist ein Thema/eine Art zu Schreiben/..., die Sie, wie Sie gesagt haben, fesselt und reinzieht? Ich denke, das ist ziemlich schwierig zu beschreiben, aber ich frag trotzdem mal…
Ich mag es, wenn ich als Leser ohne Anstrengung durch einen Text gleiten kann, wenn also der Aufbau stimmt, keine Sprünge die Logik erschweren, der Text in sich stimmig ist. Ich mag eine einfache, wenig verschwurbelte Sprache. Ich mag Themen, die mich als Leser etwas angehen oder die meine Neugier wecken. Ich mag Einstiege, die schnell auf den Punkt kommen und mich neugierig machen.
Ganz allgemein: Wenn Titel und Lead nicht stimmen - fahren Sie mit der Artikel-Lektüre fort?
Titel und Lead sind für mich weniger wichtig, als man denken könnte. Das sind Dinge, die man mit relativ wenig Aufwand vor der Publikation noch hinbiegen kann - sofern der Text als Ganzes «verhebet ». Wichtiger für mich ist der Einstieg in den Text: Schafft es der Autor oder die Autorin, mich reinzuziehen, mich zu fesseln? Und, falls dies gelingt, kann der Text halten, was er am Anfang verspricht? Und: Ich lese, wie gesagt, alle eingesandten Texte sowieso von A bis Z.
Was passiert, wenn Sie Ihre Favoriten herausgepickt haben?
Etwa die Hälfte der eingereichten Texte schafft es in die zweite Runde. Diese werden dann «portionenweise » an die einzelnen Jury-Mitglieder aufgeteilt, so dass jeder (vorselektionierte) Text von mindestens drei Jury-Mitgliedern gelesen wird. Die favorisierten Texte werden dann in einer dritten Runde nochmals allen Jury-Mitgliedern vorgelegt. Nun fällt die Entscheidung…
Gab es schon einmal grosse Unstimmigkeiten um den Gewinnerartikel?
Nein. Auch wenn die Jury eigentlich nie einstimmig gleicher Meinung ist. Einig sind wir uns dafür in der Regel darüber, welche drei bis fünf Texte überhaupt in die Enrunde kommen. Am Schluss spielen dann halt auch persönliche Vorlieben eine Rolle.
Da gibt es sicher auch eine Kriterienliste: Wie sieht denn die aus? Wo liegen die Schwerpunkte?
Dazu zählen: Originalität des Themas, Aufbau des Textes, Sprache, Stimmt die Form?, Einstieg, etc. Wir versuchen die Kriterien in etwa gleich zu werten. Wenn jemand aber bei einem Kriterium ganz abschifft, dann ...tschüss.
Gab es einen Anstieg an Einsendungen in den letzten Jahren? Und wie sieht es mit der Qualität aus? 7 gute Jahre nach 7 mageren? Ich hab da das Bild von Schreibwettbewerben vor den Augen, bei denen aufgrund «mangelnder Qualität » leider «kein Hauptpreis » vergeben werden konnte.
So weit ich da überblicken kann - ich bin erst zum zweiten Mal in der Jury mit dabei - ist die Anzahl Einsendungen in etwa konstant. Gleiches gilt wohl auch für die Qualität der Texte. Auf und Abs gibt es qualitätsmässig vor allem zwischen den eingereichten Texten. Die Bandbreite ist enorm gross…
Den Hauptpreis - ein Praktikum auf unserer Redaktion - haben wir bis jetzt noch immer vergeben…
Was ist aus all den Gewinnern geworden? Ich kann mich daran erinnern, eine Après-Studentenpreis-Erfolgsstory gelesen zu haben, aber da gäbe es ja sicher noch viel mehr…
Da überfragen Sie mich. Ich mag mich an zwei Praktikanten erinnern, die einen sehr guten Job gemacht hatten auf der Redaktion…
…ob dieser Job bald dir gehören wird? Wir jedenfalls danken Herrn Walter ganz herzlich für seine Auskünfte! Weitere Informationen findest du hier.
Tags: Hanna Widmer, Interview, Sonntagszeitung, Studenten, Wettbewerb
Artikel erschienen am 26.01.2012 um 08:59 Uhr