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Ins Auge gefallen

Viele Kunstgeschichts-Studenten kennen vorwiegend die Hörsäle und verstaubte Bücher. Was es heisst, eine Ausstellung von A bis Z zu organisieren, lernen viele erst während Praktika oder beim Berufseinstieg. Dabei hätte man doch während dem Studium die Zeit dazu! Das dachte sich auch die Uni Bern und bot den Masterstudenten ein neuartiges Seminar an.

von Claudia Piwecki

Während einem Semester konnten die Masterstudenten des Studiengangs «Kunstgeschichte Ausstellungs- und Museumswesen» im Rahmen eines Seminars eine Ausstellung auf die Beine stellen. In Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Grenchen setzten sie sich intensiv mit den Anforderungen einer kuratorischen Arbeit auseinander. Angefangen von der Themenfindung, über die Sichtung der Kunstwerke bis zum endgültigen Aufbau – alles lag in den Händen der Studierenden.

Sammelsurium

Die Auswahl war gross: 13’000 Werke hiess es zu begutachten und im passenden Konzept zueinander zu bringen. Zuerst wählten sie ihr Thema: unter dem Titel «Ins Auge gefallen» sollte die gesamte Ausstellung laufen. Dann teilten sich die 12 Studenten auf die 6 Ausstellungsräume auf, die verschiedene Unterthemen hatten: in «Auge in Auge», «Unsichtbares sichtbar gemacht», «Ins Licht gerückt»,«Über Geschichten gestolpert», «Emotionen geweckt» und «Kurioses entdeckt» erforschten die angehenden Kuratorinnen und Kuratoren nicht nur auffallende Kunstwerke im Sammlungsgut, sondern auch die Schatten der Grencher Vergangenheit, die im Kunsthauskeller schlummerten. Die Sammlung der Stiftung Kunsthaus Grenchen ist zum grossen Teil unbekannt. Die Ausstellung der Masterstudenten rückte sie ins Scheinwerferlicht und stellte regionale Künstler wie Arthur Girard und Urs Hanselmann neben international bekannte wie Jean Tinguely. Unterstützung erhielten die 12 zukünftigen Aussteller und Ausstellerinnen von Dr. Bernadette Walter, Lehrbeauftragten des IKG der Uni Bern und Eva Inversini, Künstlerische Leiterin des Kunsthauses Grenchen.

Qual der Wahl

Am schwierigsten sei tatsächlich die Auswahl gewesen, verraten die Studenten. Viele der Werke sind digital verfügbar, aber ein Grossteil musste aus den Kisten herausgesucht werden. Das nahm mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Schlussendlich liessen sie sich aber vom Thema inspirieren: was ins Auge fiel, hing am Ende an der Museumswand. Zum jeweiligen Thema passend, konnten die Zweiergruppen ihre Kreativität ausleben lassen und die Bilder untereinander, im Bezug zum Raum und zum Thema in den passenden Kontext bringen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nicht nur die beiden Leiterinnen, auch der Grencher Gemeinderat und Kunstgeschichts-Professoren der Uni Bern waren bei der Vernissage am 10. Februar 2011 voll des Lobes für ihre Nachwuchstalente. Bis zum 10. April 2011 kann man die Ausstellung besichtigen. Was ins Auge fällt, kann man dann selbst entscheiden oder einen der Studenten bei einer Führung um Inspiration bitten.

Tags: Ausstellung, Bern, Kunst, Master
Artikel erschienen am 14.02.2011 um 08:44 Uhr