Modern: Sommer-Uni
Wieder einmal hat sich ein Trend aus den USA in Europa verbreitet. Diesmal im akademischen Bereich: Summer Schools sind längst Gang und Gäbe in den Staaten wohingegen sie hier erst am aufkommen sind.
Text Raffaela Angstmann, Bild Jeanette Schranz
Summer School ist das, was man stattdessen macht. Drei Monate Semesterferien und das bei glühender Hitze. Man hat erst eine mühevolle Prüfungsphase hinter sich, in der viele Bereiche des Lebens zeitlich zu kurz gekommen sind. Weswegen sollte man die freie Zeit im Sommer an der Uni verbringen, statt beim Surfen oder Geld verdienen?
«Unsere Summer School bietet den Studierenden schon früh im Studium einen ersten Einstieg in die unabhängige Forschung. Selbstständiges Arbeiten an aktuellen Fragestellungen im Labor lässt sich in den Praktika des Grundstudiums nur schwer umsetzen. Damit bietet die Summer School auch eine ideale Komplementarität zur Theorie an, die sich die Studierenden während des Semesters angeeignet haben», sagt Dr. Denise Hengartner vom Institut für Molekulare Biologie an der Universität Zürich. Die Organisation der Summer School für Biologie-Studierende ist ihre Sache.
Keine Sprachschule – Kulturschule und Fachspezifikation
In den letzten zwei Jahren nahm die Ausbreitung stark zu und immer mehr Universitäten in Europa bieten solche Programme an. Man kann eine Summer School als Forschungspraktikum oder zusätzlichen Kurs ansehen. Dieser wird ausserhalb der Vorlesungszeit im Sommer angeboten. Nicht jede Schweizer Universität bietet solche Kurse. Sie werden von den jeweiligen Fachbereichen selbst organisiert. In der Schweiz sind die Summer Schools noch «Mangelware», aber der Trend breitet sich aus und die Nachfrage steigt. Nicht zu verwechseln sind Summer Schools mit Sprachschulen, die man im Sommer besuchen kann. Unterrichtet wird man in seinem eigenen Fach. Meist kann man auch noch zusätzliche ECTS-Punkte sammeln. Das Thema kann der fachlichen Vertiefung dienen oder gerade brandaktuell sein. Perfekt also für das «Studium Generale».
Ein Beispiel: In der Biologie an der Universität Zürich werden im Sommer Forschungsprojekte angeboten. Die jungen Studierenden führen eine praktische Arbeit aus, sie üben sich aber auch darin Präsentationen zu geben und befassen sich mit wissenschaftlicher Literatur. Ein Intensiv-Kurs. Gerade deswegen sind es nur kleine Gruppen an maximal 25 Personen, die daran teilnehmen können. «Ziel ist es das Studium aufzuwerten», erklärt Dr. Denise Hengartner.
Je nach Institut und Fachrichtung wird das Programm an der eigenen Uni vollzogen oder an einer Partner-Uni. So gingen die Islamwissenschaften der Universität Zürich diesen Sommer mit allen Teilnehmern eines Kurses nach Ägypten. Darum geht es bei den Summer Schools nämlich: eintauchen in die Thematik. Dr. Hengartner will die Jungen dafür begeistern. Sie sollen die Vorteile eines solchen «Praktikums» erkennen.
Attraktive Internationalität
Die Studierenden kommen von überall her; Europa, China, USA etc. Zweck ist es nämlich auch die internationale Visibilität und Attraktivität der UZH zu erhöhen. Summer Schools besuchen vor allem Studierende mit hervorragenden Leistungsnachweisen. Es werden nur die Besten angenommen. Nicht bei allen Programmen, aber in der Biologie an der UZH sieht es so aus.
Sozial und kulturell haben solche Intensiv-Erfahrungen viel zu bieten. «Man lernt wie andere, ausländische Studierende denken und lernen. Es werden intensive Freundschaften geknüpft, und die Studierenden lernen viel über die Lebens- und Studienbedingungen in anderen Ländern», so Hengartner. Netzwerken macht bei den Summer Schools einen grossen Teil aus und kann auch für die Zukunft der Studierenden von starker Bedeutung sein.
Der Gewinn: Sprache und Menschen
«An der Uni Zürich ist vieles sehr theoretisch. Vor Ort konnten wir endlich mal anwenden, was wir gelernt haben. Man kann Kultur studieren, muss aber auch dahin, wo die Kultur gelebt und die Sprache gebraucht wird», so Yannic Trüb, Student der Islamwissenschaften. Er konnte in Kairo seine Arabisch-Kenntnisse verbessern und erfreute sich der Tatsache, dass die Kurse vor Ort auf die Praxis ausgelegt waren. Endlich waren seine Alltagsbereiche abgedeckt: Zeitungen lesen und «Al Jazeera» schauen. Was könnte besser helfen, eine Sprache zu festigen? Die Anmeldung für den Kurs lief dabei über die Uni ZH. Die restliche Organisation war selbständig. Summer Schools sind generell kostenpflichtig.
Sie sind die perfekte Umgebung, um auf offene Menschen aus verschiedensten Ländern zu stossen. Vergleichbar mit einem Erasmus-Austausch, nur kürzer und noch intensiver und meistens sind solche Erlebnisse gleich kombiniert mit Ferien. Besonders beliebt ist dies bei Amerikanern. So auch bei Alex Gase (20) aus Ohio. Er studiert Business an der Miami University of Ohio. (Nicht Florida!)
Woher kommt’s?
Alex ist das perfekte Beispiel für einen Summer School-Teilnehmer. Und ja, auch Summer Schools sind ein akademischer «Trend» aus Amerika. Auch wenn sie in den Staaten nicht genau in derselben Form vorkommen, wie in Europa. In den USA gibt es zwei verschiedene Typen. Die negativ gesehenen Summer Schools sind die Konsequenz schlechter Noten. Diesen Typ gibt es nur in der «Grade und High School» und ist eine Art Nachsitzen zur Verbesserung der persönlichen Leistung.
Summer School für College-Studierende dienen dazu, endlich einmal im Ausland zu studieren, wenn man keinen Austausch machen möchte, oder extra Kreditpunkte zu sammeln. An der Miami University of Ohio geht ein Drittel aller Studierenden mindestens einmal ins Ausland studieren. In den ganzen USA sind es vielleicht 20 Prozent aller Studierenden. Sie lieben es im Ausland zu studieren und andere Kulturen zu erleben. Die USA will ihren akademischen Nachwuchs früh fördern. Da die Nachfrage sehr gross ist, wird es als Privileg angesehen, ins Programm aufgenommen zu werden. Die «Business school faculty» hat Alex die Möglichkeit gegeben an der Universität Luxemburg einige Wochen Kurse zu besuchen und europäische Geschichte zu vertiefen. Alex nutzte diese Gelegenheit mit seinen Freunden, um Europa zu erkunden. Und seine Erfahrung war: «Das Schönste ist sicher, neue Menschen kennenzulernen und mich an ihre Kultur anzupassen. Das hat mir erlaubt viel zu lernen».
Sobald es wieder soweit ist, hält euch semestra auf dem Laufenden, was für spannende Angebote es gibt. Denn früh organisiert sich seinen Sommer!
Und einige Monate vorher solltet ihr sicher bei der Abteilung Internationale Beziehungen der Uni ZH reinschauen.
Tags: Austausch, international, Kurse, Sommer, Summer School, USA
Artikel erschienen am 06.10.2010 um 13:12 Uhr
