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Neue Räume

Die Schweiz als Designmetropole - Körper und Geist sehnen schon nach den ersten wärmeren Sonnenstrahlen oder schnuppern noch frische Luft in den Bergen; ein schönes Zuhause ist besonders im Winter wichtig. Doch auch ausserhalb der vier Wände gibt es genug Gründe einen Blick auf das Design-Geschehen zu werfen, und man sieht, dass die Schweiz im internationalen Vergleich durchaus mithalten kann.

von Claudia Piwecki

Leuchtende Unterhosen? Hängende Buchstützen? Ein Sofa aus Kuscheltierfell? Möbeldesign ist kreativ, verrückt und manchmal auch nicht sehr zweckmässig. Dass sich Schweizer Designer nicht zurückhalten müssen, hat sich gezeigt bei der Ausstellung «neue räume 11» im November letzten Jahres. Alle zwei Jahre findet die internationale Wohn- und Möbelausstellung statt, bei der über 100 nationale und internationale Aussteller Objekte für innen präsentieren. In der Schweiz ist das die grösste Plattform für Designmöbel und Inneneinrichtung. Die Stadt Zürich soll als Designmetropole gefördert werden.

Elegantes Unterstatement war noch zu spüren in den Hallen in Oerlikon, vor allem bei den klaren Linien in den Bädern. Einfachheit war aber nicht mehr ganz so im Trend wie noch vor zwei Jahren, bei der letzten «neue räume». Designer spielen wieder, es wird mit Farbe und Form experimentiert, was Charme hat und praktischer ist als gedacht. Vor allem die Lampen sind verspielt. Funktional, wie die Leuchte «Hally» die sich elegant über den Tisch biegt oder schön wie ein Bild, bei den Schatten werfenden Goldlampen von Catellani und Smith.

Nachhaltigkeit macht auch bei Design nicht halt. Deshalb wird immer mehr Altes wiederverarbeitet und auf hohe Qualität geachtet, bei allen Materialien. Das widerspricht sich nicht mit Ästhetik und so trifft bunter Filzstoff auf auffällige Nähte und vergilbtes Holz auf durchsichtigen Lack. Die Möbel sind robust, aber gleichzeitig frisch und modern. Die brasilianischen Brüder Fernando und Humberto Campana fielen schon vor Jahren auf mit ihren Möbeln aus recyclebaren Materialien. Der Niederländer Piet Heineek zaubert Unikate aus Wegwerfholz und –metall. Nicht zu vergessen ist aber gerade hier Schweizer Design: schon vor Jahren wurden die Brüder Freitag bekannt durch ihre Umhängetaschen aus Lastwagenblachen. Mittlerweile ist eines des Taschenmodelle Teil der Designsammlung des Museum of Modern Art in New York, sie expandieren weltweit und durften den Designpreis Schweiz 2011 entgegennehmen.

Italienisches und schwedisches Design dominiert bei Möbeln nach wie vor. Eine Couch aus Jeans, leuchtend türkis oder ein Schminktisch, der sich im Nu zu einem schlichten Schränkchen zusammenklappen lässt, die Kreativen wagen wieder mehr und so entstehen auch Stühle, auf denen man rittlings wie auf einem Schaukelpferd sitzt – und sich gar nicht lächerlich fühlt dabei. Ein paar Designer testen die Grenzen: Kann man auf Draht bequem sitzen? Ist ein überdimensionaler kuschliger Polyp als Sofa funktional? Zu diesem Mut und dieser Eleganz sind auch die Schweizer Designer unterwegs. Es mangelt nicht an aufstrebendem Nachwuchs, was nicht nur auf Designmessen auffällt. Die Schweiz verfügt über Ressourcen, naturbelassene oder künstliche. Kreativität sprüht aus allen Poren, wenn man einen Blick auf die Kunstschulen im Land wirft. Die Schweiz hält im internationalen Diskurs Stand und kann mit den Talenten im Land durchaus für Aufmerksamkeit sorgen.

Tags: Ausstellung, Claudia Piwecki, Design, Möbel, Zürich
Artikel erschienen am 23.01.2012 um 07:22 Uhr