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Plagiate, Fälschungen, Betrügereien

Der Fall des Ende September zurückgetretenen Forschungschefs der ETH Zürich, Peter Cheng, hat viele Diskussionen ausgelöst. Nicht nur innerhalb der Hochschulmauern, sondern auch in der Schweizer Medienlandschaft hat der Vorfall zu reden gegeben.

In einer Doktorarbeit, sind 1999 und 2000 Publikationen gefälscht worden. Für eine Dissertation und zwei Fachartikel wurden Daten zum Teil erfunden und Diagramme hineinkopiert. Zehn Jahre später zieht der ETH Forschungschef Peter Cheng die Konsequenzen und gibt seinen Rücktritt aus dieser Position bekannt. Diese Woche nimmt er auf ETH Life, auf NZZ online Stellung.

Gute Fälschung

Ging man anfangs noch davon aus, dass die Resultate auf Grund neuer Techniken Abweichungen (im Vergleich zu später angestellten Untersuchungen) aufwiesen, erhielten die Forscher Ende 2008 Gewissheit, dass die Ergebnisse gefälscht sein müssen. Eine von Cheng beauftragte Untersuchungskommission kam im Spätsommer 2009 zum gleichen Schluss. Der Forschungschef selber hatte die Arbeit damals mitbetreut und sein Name erscheint auf den gefälschten Artikeln. Dass die Fälschungen so lange unentdeckt blieben, erklärt Cheng damit, dass die Resultate genau den Erwartungen entsprochen hätten.

Obwohl aus dem Untersuchungsbericht klar herauskommt, dass der Doktorand der Fälscher sein muss, erklärt Cheng auf NZZ Online: «Als Co-Autor war ich damals an der Planung der Experimente, der Auswertung der Daten und dem Schreiben der Publikation beteiligt. Ich muss diese Verantwortung tragen, auch wenn es für mich schwierig oder sogar ungerecht ist.» Der Rücktritt sei unabdingbar gewesen, um die Glaubwürdigkeit der ETH wahren zu können.

Grosse Bandbreite an möglichen Verfehlungen

Eine Podiumsdiskussion an der Uni Zürich beschäftigte sich vergangene Woche ebenfalls mit dem Thema Plagiate. Eine 2008 veröffentlichte Umfrage im Magazin Nature zeigte, dass rund 9% der Befragten angaben, in ihrer Forscherkarriere mit Plagiaten in Berührung gekommen zu sein. Dennoch waren sich die Teilnehmer der Diskussion einig, dass Lug und Betrug in der Forschung selten vorkommen. Spektakuläre Fälle, wie derjenige der ETH, seien selten. Beweisen kann man diese Aussage zumindest in der Schweiz nicht: Offizielle Statistiken über Unregelmässigkeiten gibt es keine.

Nicht nur Fälschungen sind in der Forschung möglich. Auch ungenügende Berücksichtung der relevanten Literatur, lückenhafte Laborprotokolle und Nichtbeachten von «Ausreissern» oder unpassenden Resultaten sind Verfehlungen. Im asiatischen Raum verbreitet sind Fälle von Mitautorenschaft, also dass ein Name im Aufsatz erscheint, ohne dass die entsprechende Person einen Beitrag geleistet hat. Vielmehr sind es «Geschenke» an Personen, die Material oder Geldmittel zur Verfügung gestellt haben.

Früh übt sich…

Auch kopieren von Daten für die Semester- oder Bachelorarbeit oder das Frisieren von Statistiken für eine Gruppenarbeit sind Plagiate. Bereits in der Mittelstufe, an Gymnasien und Mittelschulen wird dieser «Bschiss» von der Schulleitung geahndet und in der Prüfungsordnung offiziell erwähnt. Nicht selten muss schon auf tiefen Schulstufen mit harten Konsequenzen (Schulausschluss, Aberkennung von Diplomen) gerechnet werden.

Was hast du für Erfahrungen mit Plagiaten gemacht? Schreib uns im StudiSurf-Forum.

Tags: Betrügereien, ETH Zürich, Fälschungen, Plagiate, Untersuchung
Artikel erschienen am 07.10.2009 um 12:04 Uhr