Vom Praktikantendasein direkt zur Stelle des Geschäftsführers
Nora Lipp im Interview mit Robert Toth, dem ersten externen Geschäftsführer der StudiMedia GmbH und fünften Gesellschafter im Bunde.
Im ersten Büro des Unternehmens hat er eigenhändig Laminat verlegt. Auch in den geschäftlichen Abläufen hat er zur Professionalisierung des Start-ups beigetragen. Der Balanceakt zwischen Studium und Geschäftsführung forderte den Werkstudenten heraus. Die prägenden Erfahrungen aus dieser Zeit dienen ihm heute als reicher Wissensfundus.
Du warst von 2005 – 2007 Geschäftsführer von StudiMedia. Wie bist Du zu diesem Job gekommen?
Lustigerweise über StudiSurf.ch (heute semestra.ch). Die Stelle war da ausgeschrieben. ‘Studentischer Geschäftsführer’, hiess es in der Stellenbeschreibung, darunter konnte ich mir erstmal nicht so viel vorstellen. ‘Kannst ja nichts verlieren’, dachte ich mir dann und habe mich beworben.
Das war also ein Sprung ins kalte Wasser für Dich?
Das kann man so sagen. Meine Berufserfahrung war zu diesem Zeitpunkt mässig: Ich habe drei Jahre an der Uni Bern studiert und nebenbei am Institut für Wirtschaftsinformatik gearbeitet, danach habe ich zwei Praktika absolviert. Nach meinem Wechsel von der Uni an die Fachhochschule wollte ich mein Studium berufsbegleitend weiterführen. So wurde ich nach meinem zweiten Praktikum mit 27 Jahren direkt Geschäftsführer von StudiMedia. Ich brauchte einige Zeit, um mich einzuarbeiten und zu verstehen wie alles läuft. Schwierig und ungewohnt war es für mich, dass ich Entscheidungen treffen musste, ohne mich vorher über alle möglichen und unmöglichen Konsequenzen genauestens informieren zu können. Aber mit dieser Ungewissheit lernt man umzugehen.
Wie hast Du Dein Studium und die Geschäftsführung miteinander vereinbart?
Das war durchaus eine Herausforderung. Aus meinen fünfzig Stellenprozent sind oft auch mehr geworden. Ich kümmerte mich um die Buchhaltung, die Administration, die Teamleitung und betreute auch noch die Grosskunden. Ich war Mädchen für alles im Büro und gleichzeitig Projektmanager. Eine wichtige Priorität bliebt dabei immer, dass ich das Studium erfolgreich beenden wollte. Gleichzeitig war ich eben Geschäftsführer und trug alle Verantwortung. Ich war die letzte Instanz, ich musste die Dinge erledigen. Das war mit viel Einsatz verbunden und oft auch hektisch und stressig. Ich musst lernen, was, glaube ich, jeder irgendwann lernen muss: Wenn ich das heute nicht mache, geht die Welt nicht unter. Ich musste lernen Prioritäten zu setzen und mich in gewissen Situationen vom Berufsalltag abzugrenzen.
Hat dir Dein Studium etwas für diesen Job gebracht?
Ja, ohne Frage, an verschiedenen Punkten sogar. Im Gegensatz zur Uni ist die Fachhochschule ja eher praktisch ausgerichtet und da gab es dann schon einen Bezug. Auch wenn StudiMedia natürlich ein Spezialfall war. An der Fachhochschule lernt man ja eher etwas für die grösseren Unternehmen. Aber es gab schon Bezüge. Dank meines Studiums hatte ich Ahnung von Buchhaltung, Zeitmanagement und Marketing und diversen Aspekten des Unternehmertums. Mein Studium hat mir das Rüstzeug für diesen Job mitgegeben – den vielbeschworenen Rucksack.
Was musstest Du dazu lernen?
Die Praxis des eigentlichen Unternehmertums. Also: Wie arbeite ich mit Kunden zusammen, wie führe ich, wie motiviere ich. Und auch finanztechnische und juristische Dinge, die ich vorher nicht wusste. Vor allem musste ich lernen, alles unter ein Dach zu bringen.
Gibt es positive wie auch negative Erfahrungen, die Du mitgenommen hast?
Die Erfahrung an sich Geschäftsführer zu sein, war sicher positiv. Es war eine prägende Berufserfahrung für mich. Ich habe gelernt Führungsverantwortung zu übernehmen. Da StudiMedia so klein war, konnten wir fast alle Ideen, die wir hatten auch umsetzten. Wir mussten einfach die Verantwortung dafür übernehmen. Einerseits war das eine enorme Freiheit, andererseits war es natürlich auch ein Druck immer die Verantwortung tragen zu müssen. Es gab Zeiten, da standen sechzig Leute auf der Lohnliste – auch wenn davon niemand zu hundert Prozent angestellt war, waren diese Leute doch auf ihren Lohn angewiesen. Aus meiner Zeit als Geschäftsführer habe ich ein Grundverständnis dafür mitgenommen, wie man Erfolg aufbauen kann. Wie man etwas entwickelt. Es war schön ein Unternehmer zu sein: Es war auch meine Firma. Das ist etwas anderes als wenn du ‘nur’ angestellt bist. Du hast einen anderen Bezug zur Arbeit. Der Sinn und Zweck deines Tuns ist in jeder Handlung ersichtlich. Aber man nimmt die Arbeit dafür auch mit nach Hause, du hast weniger Distanz zu dem was du machst.
Und Krisen hast Du nie erlebt?
An das Gute erinnert man sich ja immer besser. Es gab schon auch schwierige Momente. Druck von den Kunden wie auch von den anderen Eigentümern, zum Beispiel. Das war aber immer nur kurzfristig. Unser Studentenmagazin, StudiVersum, stand auch einmal auf Messersschneide. Wir hatten Verluste eingefahren, es hat dann aber gerade noch die Kurve gekriegt. Ich denke aber, die Grundidee unseres Unternehmens hat gestimmt.
Wie beurteilst Du deinen Job von damals aus Deiner heutigen Position?
Das war eine super Sache. Ich bin auch sehr glücklich, dass ich von der Uni zur Fachhochschule gewechselt habe und das Studium berufsbegleitend gemacht habe. Die Erfahrungen aus dieser Zeit sind mir viel wert. Ich habe gelernt wie es in einem kleinen Unternehmen läuft. Dort konnte ich in sehr vielen Gebieten tätig sein: Finanzen, Kunden, Personal, Marketing, Planung. Jetzt arbeite ich in einem grossen Unternehmen. Die breite Erfahrungen von damals kann ich hier gut gebrauchen. Manchmal fehlt mir die extreme Vielseitigkeit meiner damaligen Tätigkeit – bei StudiMedia war die Arbeit wahnsinnig abwechslungsreich.
Das klingt als würdest Du die Zeit von damals vermissen?
Der Abschied hat schon mit einem lachenden und einem weinenden Auge stattgefunden. StudiMedia war mein Baby. Aber nach zwei Jahren kriegten wir durch den gesteigerten Umsatz Kapazitätsprobleme – meine fünfzig Prozent reichten nicht mehr für den Job. Ich hab die Geschäftsführung dann abgegeben und mich auf die Finanzen und die MediaPlanung konzentriert. So musste ich das Unternehmen nicht im Stich lassen. Nach zwei weiteren Jahren kam für mich dann aber der endgültige Abschied von StudiMedia. Das Unternehmen hat mich nicht mehr gebraucht und ich wollte mich persönliche weiterentwickeln. Ich habe mich entschieden in grösseren Unternehmen Erfahrungen zu sammeln. Trotz dieser neuen Perspektive war der Abschied nach diesen vier prägenden Jahren schmerzhaft.
Du warst vier Jahre teil dieses jungen Unternehmens, welche Veränderungen hast Du miterlebt?
Das war sicher ein Prozess der Professionalisierung. Mein Einführungsgespräch hat in der Wohnung von Patrick Mollet, einem der Gründer von StudiMedia, stattgefunden. Das erste Büro in Bern haben wir dann selber ausgebaut. Auch kamen in dieser Zeit die Marktforschung und die Mediaplanung als neue Arbeitsfelder von StudiMedia hinzu. Ich habe das eigentliche Agenturgeschäft aufgebaut – heute sind Agentur und Verlag ja zwei eigenständige Unternehmen. Das waren viele Veränderungen und eine intensive Zeit.
Tags: Beruf, Interview, Karriere, Management, Start-up, Studenten, StudiSurf, Studium
Artikel erschienen am 10.01.2012 um 09:52 Uhr