Wachstumsschmerz
Googelt man den Begriff «Quarterlife-Crisis», wie es auch die Protagonistin des Romans macht, gibt es unzählige Einträge. Und es werden täglich mehr. Es ist ein Phänomen des 21. Jahrhunderts, in dem wir vor unbeschränkten Möglichkeiten stehen, Selbstverwirklichung grossgeschrieben wird und jeder tun sollte, was das Bauchgefühl nennt. Woran sollen wir uns festhalten wenn nicht mehr an uns selbst?
von Claudia Piwecki
Luise ist Anfang 30, glücklich verliebt in Florian, hat einen Job der ihr gefällt und ist anfangs eigentlich zufrieden. Die beiden beschliessen erwachsen zu werden und wie man das halt so macht, ziehen sie zusammen. Luise gerät immer tiefer in den Strudel der Erwartungen der Gesellschaft und sich selbst, bis ihr alles über den Kopf wächst und sie ihre Beziehung zu zerstören droht… Was ist wann richtig und was zuviel, davor findet sich Luise wieder und weder Trendsportarten noch Wellness - weil man das ja heute so macht - helfen, Antworten zu finden im Dschungel der Freiheiten.
Sarah Kuttner’s zweiter Roman setzt sich wieder mit einem Thema unserer Zeit auseinander. Im Gegensatz zu ihrem Erstling «Mängelexemplar» wo sie mit leichten Worten die Schwere von Depression aufzeigte, geht es in «Wachstumsschmerzen» um einen Prozess, den wir alle nur zu gut kennen. Nur zu gern würden wir alle mal einen weisen alten Herrn zu uns herzaubern, der uns sagt was zu tun ist. Ein Trugschluss, denn Luise, freischaffende Herrenschneiderin, hilft auch das nicht weiter.
Sarah Kuttner trifft mit ihrer Vorzeige-Jugendsprache die Dinge auf den Punkt. Auch wenn die Kraftausdrücke manchmal etwas platt rüberkommen, beschreibt sie auf sehr einfühlsame Weise die Gedanken, die sich alle mehr oder weniger bei uns ausprägen. Der eine mag sie als Luxusprobleme abtun, der andere fühlt sich aus der Seele gesprochen. Aber gerade als Studenten sind wir vor dem allzu ernsten Leben noch etwas geschützt und können uns noch etwas Zeit lassen mit dem Erwachsenwerden…

Mehr Informationen gibt es direkt beim Fischerverlag.
Tags: Buch, Literatur, Sarah Kuttner
Artikel erschienen am 30.12.2011 um 15:02 Uhr
