Schreibsorgen, Selbstzweifel und Versagensängste

«Hilfe, ich schaffe das nie!» - Dieses Mantra, allein vor sich hin geseufzt oder Freunden, Familie und Mitbewohnern vorgetragen, dürfte zahlreiche Seminararbeiten begleiten. Ein Ratgeber zum Umgang mit Schreibblockaden.

von Nadine Muriel, Schreibcoaching Federfunken

Wer kennt das nicht: Phasen, in denen man das Gefühl hat, dass ein unüberwindbarer Berg an Arbeit vor einem liegt, dass man nie in der Lage sein wird, die eigenen Ideen zu sortieren und strukturieren, dass alles, was man bisher zu Papier gebracht bzw. in den Rechner gehämmert hat, einfach nur grottig klingt ...

Das ist ganz normal: Eine Seminararbeit zu bewältigen, von der Literaturrecherche bis zum letzten stilistischen Feinschliff, ist eine sehr umfangreiche Aufgabe. Es ist klar, dass zunächst kein Ende absehbar ist und man auch zwischendurch immer wieder erkennt, wie wenig die Arbeit den eigenen Erwartungen entspricht.
Insofern dürften wohl die meisten Studierenden einen Weg gefunden haben, mit ihren Selbstzweifeln umzugehen: Zähne zusammenbeißen, alle Bedenken verdrängen und weiterschreiben heißt meist die Devise. Sich immer wieder erneut aufraffen, während im Hinterkopf die Sorgen und Selbstzweifel nagen, wird jedoch schnell zur Qual.

Effektiver ist es, sich den eigenen Ängsten zu stellen, um gezielt nach Lösungen zu suchen.

Deswegen gilt: Wenn Du das Gefühl hast, dass Deine Zweifel Dich überrollen, dann notiere Dir in Ruhe alles, was Dir momentan an Deiner Seminararbeit Schwierigkeiten bereitet. Sei dabei so konkret wie möglich. Schreibe nicht «ich weiß nicht weiter» oder «es fehlen noch zwei Kapitel», sondern «ich komme bei der Analyse typischer Stigmatisierungsprozesse zu keinem Ergebnis» oder «ich habe noch keine Idee, was ich zu dem Punkt ‘Biographisierung von Armut’ schreiben soll». Dann entspanne Dich. Tu irgendwas, was Dich ablenkt – vielleicht ein Tässchen Kaffee mit den Mitbewohnern trinken oder kurz spazieren gehen.
Nimm Dir danach Deine Liste noch mal vor. Überlege Dir zu jedem Punkt auf Deiner Liste, wie Du das Problem in den Griff bekommen und lösen kannst. Du findest Deinen Stil unter aller Banane? Vielleicht kannst Du einen Freund oder eine Freundin bitten, die Arbeit korrekturzulesen, wenn Du fertig bist. Oder Du planst genügend Zeit ein, den Text zum Schluss selbst noch mal gründlich zu überarbeiten. Du weißt nicht, was Du zu den Stigmatisierungsprozessen schreiben sollst? Nun, wenn Du Dir ein, zwei reine Recherchetage gönnst, findest Du bestimmt Fachliteratur, die Dir weiterhilft. Aber möglicherweise wäre es auch sinnvoll, noch mal mit Deinem Dozenten über diesen Aspekt zu sprechen?
Der dritte Schritt besteht darin, Dir zu jedem Punkt eine konkrete Maßnahme zu notieren, wie und wann Du die Lösung in die Wege leiten wirst. In Deiner Liste könnte nun beispielsweise stehen: «1) Mein Stil ist noch nicht ausgereift. - Deswegen werde ich Karin bitten, mir zum Schluss bei der Korrektur der Arbeit zu helfen. - Gleich heute werde ich sie anrufen und abklären, ob sie dazu Zeit hat. 2) Bei der Analyse von Stigmatisierungsprozessen komme ich momentan nicht weiter. - Ich werde gezielt nach Literatur zu diesem Thema recherchieren und außerdem meinen Dozenten fragen, ob er einen Tipp für mich hat. – Dienstag und Mittwoch steht die Recherche an, auch wenn ich dafür auf den Koch-Nachmittag bei Jochen und Charly verzichten muss. Meinen Dozenten werde ich morgen nach dem Seminar ansprechen.»
Übrigens: Auch Aufschieben ist erlaubt, solange es nicht darauf hinausläuft, dass Du Deine komplette Arbeit bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag hinauszögerst. Schließlich kannst Du sowieso nicht alle Kapitel gleichzeitig schreiben. Der dritte Punkt in Deiner Liste darf also ruhig lauten: «Ich habe noch keine Idee, was ich zur Biographisierung von Armut schreiben soll. - Ich werde mir dieses Kapitel zuletzt vornehmen und mich erst mal auf andere Aspekte konzentrieren. Bestimmt bekomme ich dabei auch einige Anregungen zur Biographisierung. - Damit ich mich zum Schluss trotzdem in aller Ruhe der Biographisierung widmen kann, plane ich dafür eine Woche ein, d.h. ich versuche, den Rest der Arbeit bis Mitte November fertigzustellen.»

Auf diese Weise erscheinen Deine Probleme Dir nicht mehr als ein diffuser, unüberwindbarer Berg, vor dem Du hilflos stehst, sondern sind eine überschaubare Ansammlung konkreter Schwierigkeiten, die sich durchaus bewältigen lassen. Mehr noch: Deine Ängste lähmen Dich nicht mehr, sondern werden zu einem Wegweiser, der Dich anleitet, damit Du Deine Vorgehensweise effektiv planen und strukturieren kannst: Du erkennst so frühzeitig, welche zusätzlichen Aufgaben notwendig sind, gewinnst einen Überblick darüber, für welche Arbeitsschritte Du voraussichtlich länger brauchst und kannst Deine Zeitplanung entsprechend anpassen.

Viel Erfolg!

 

Und wenn das alles nicht hilft?

Wenn Du allein keine Lösungen findest, weil Du gar nicht weißt, wie Du einen Text wissenschaftlich formulieren, effektiv Literatur recherchieren, Deine vielfältigen Ideen und Gedanken in eine angemessene Form bringen oder überhaupt eine Seminararbeit gliedern sollst?
Dann kann die Lösung durchaus auch darin bestehen, Dir Beratung und Unterstützung zu suchen, damit Du diese Seminararbeit bewältigen kannst und beim nächsten Mal von Anfang selbst weißt, wie Du vorgehen und worauf Du achten sollst:

Am 5. und 6. November findet in Zürich der Workshop «erfolgreich und effektiv wissenschaftlich schreiben» statt.
In diesem Workshop erhältst Du Hilfestellungen und Anregungen, die alle Aspekte des Schreibprozesses umfassen: Formale Vorgaben wissenschaftlichen Schreibens werden ebenso besprochen wie der Umgang mit Fachliteratur, das Strukturieren von Gedankengängen und die schwierige Herausforderung, sich über einen langen Zeitraum hinweg selbst zu motivieren. Darüber hinaus werden auch stilistische Regeln erläutert und anhand von konkreten Beispielen geübt.

Termin: Samstag, 5.11.2011 von 10 bis 18 Uhr
Sonntag, 6.11.2011 von 12 bis ca. 17 Uhr

Preis: 250 CHF pro Person

Ort: Zürich

Im Preis inbegriffen ist eine Rundum-Verpflegung während des Workshops. Was es Leckeres gibt, werden wir vorher gemeinsam abklären und dabei natürlich auch auf besondere Ernährungsgewohnheiten (vegetarisch, vegan, …) und Unverträglichkeiten Rücksicht nehmen. Ebenfalls inbegriffen sind Workshop-Unterlagen inklusive Tipps und Übungen sowie ein Gutschein für zwei Coaching-Stunden, den Du zu einem beliebigen Zeitpunkt einlösen kannst, um in einer persönlichen Sitzung neu auftretende Fragen zu klären und individuelle Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Weitere Infos, Kontaktdaten und Anmeldeformular unter www.federfunken.wordpress.com