Kino
AmourD

Amour

Kritik | 26.09.2012 um 16:43 Uhr Filmstart: 04.Okt.2012 Regie: Michael Haneke

Der etwas andere Haneke Film – über die Liebe.

von Simon Denzler

Als Georges (Jean-Louis Trintignant) ausgestreckt auf dem Bett liegt, hört er Geräusche aus der Küche. Anna (Emmanuelle Riva) macht den Abwasch. Sie ist gleich fertig. Kurz darauf verlassen sie gemeinsam die Wohnung. Was für den Zuschauer zurückbleibt, ist eine schweigende Ruhe. Das Licht im Kinosaal wird angeschaltet.

Michael Haneke erhält mit seinem jüngsten Werk «Amour» nach drei Jahren gleich nochmals die Goldene Palme in Cannes. Der Film erzählt die Geschichte von Georges und Anna, einem Ehepaar um die 80. Beide sind kultivierte Musikprofessoren im Ruhestand. Ihre Tochter Eva (Isabelle Huppert) lebt mit ihrer Familie im Ausland. Als Anna eines Tages einen Schlaganfall erleidet, beginnt eine Bewährungsprobe für die Liebe der Beiden.

Mit dem französischen Kameramann Darius Khondji verleiht Haneke seinen Figuren eine greifbare Präsenz. Mit der Ruhe und den langen Einstellungen, die wir von Hanekes früheren Filmen kennen, gewinnt «Amour» an enormer Glaubhaftigkeit – man kann diese Zuneigung zwischen Georges und Anna durch die Leinwand fühlen. Obwohl der Film den Zuschauer nicht sofort zu Tränen rührt, trifft er aufs Innerste – auf eine ganz eigene Weise.

Das Thema um die Frage, wie man mit einer derart neuen Situation umgehen soll, ist zentraler Bestandteil von «Amour». Georges muss sich auf einmal rund um die Uhr um seine Frau kümmern. Anna kann es nicht ertragen, plötzlich dauernd auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen zu sein. Eine Belastung, die allmählich an den Kräften beider zerrt. Auf liebevolle Weise werden Vorstellungen und Wünsche des mit der Zeit einsamen Georges gezeigt, der nach und nach mit der Lage, in der er sich befindet, nicht mehr zurecht kommt. Auch Tochter Eva hat Schwierigkeiten, den schrittweise schlechter werdenden Zustand ihrer Mutter zu akzeptieren.

Auch wenn Haneke mit «Amour» nicht an das Niveau einiger seiner bisherigen Filme heranreicht, hat er die Auszeichnung für den besten Film in Cannes 2012 zweifellos verdient. Obwohl die erwartete schockierende Art, die wir vom österreichischen Filmemacher gewohnt sind, fast gänzlich ausbleibt, behält er trotzdem seine Handschrift.


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