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Die etwas andere Musikschule | 12.09.2012 um 10:20 Uhr

«Ich hab als Kind mal Blockflöte gelernt und dann noch was anderes, aber dann hatte ich keine Lust mehr.» Dieser Satz könnte von jedem zweiten von uns stammen. Musikunterricht sollte aber in erster Linie Spass machen. Deshalb haben Siro Müller und Andreas Brändle eine Musikschule der etwas anderen Art gegründet: Instrumentor.ch.

Von Claudia Piwecki

Ein Instrument das gefällt und der passende Lehrer dazu, dann kommt die Motivation von ganz allein. Siro Müller, studierter Publizist und Schlagzeuger aus Leidenschaft, und Andreas Brändle, Wissenschaftler und Bassist, wissen wovon sie reden: als Rhythmus-Section von Karaoke from Hell, der Band die seit 2004 jeden Dienstag im Mascotte in Zürich auftritt, spielen sie ihre Instrumente mittlerweile auf professionellem Niveau. Nach ihren Auftritten wurden sie immer wieder auf Unterricht angesprochen, bis sie irgendwann keine Zeit für noch mehr Schüler hatten und an bekannte Musiker weitervermittelten. Das war der Anfang von Instrumentor.

Das Hauptziel von Instrumentor ist, dass sich die Schüler ihre Wunschlehrperson nach eigenen Kriterien auswählen können. «Unglaublich, aber wahr: So etwas gab es bis jetzt nicht!» sagt Siro. «Während im Bildungswesen diverse Reformen hinsichtlich individuellem Unterricht durchgeführt wurden, blieb die Musikschule gänzlich auf der Strecke. Mittelalterliche Lehrpläne, die willkürliche Alters- oder Stilbeschränkungen vorschreiben, verderben Spass und Motivation von Anfang an.» Siro hat das selbst erlebt. Als fünfjähriger Knirps baute er sich sein eigenes Schlagzeug aus Kochtöpfen und trieb seine Mutter an den Rand der Verzweiflung. Beim Schlagzeugunterricht der Gemeinde wollten sie ihn erst nicht nehmen, weil er zu jung sei. Dank der Überzeugungskraft seiner Mutter machten sie eine Ausnahme – aber auch schnell alles zugrunde, als es hiess er dürfe wegen seinem jungen Alter nur trommeln. Zum Glück fand er zwei Monate später einen Privatlehrer, der wusste wie man mit dem schlagzeugbegeisterten Dreikäsehoch umzugehen hatte und heute ist Siro noch genauso angefressen wie damals.

Lernen von den Grossen
Durch die Beziehungen, die Siro und Andreas in der Schweizer Musikszene haben, kann man zum Beispiel Gitarre lernen bei Boris Müller, der schon mit Placebo auf der Bühne stand, oder Gesang bei Anna Känzig, der Schweizer Version von Norah Jones. Jede/r Lehrer/in wird von Instrumentor geprüft und kann bei einer kostenlosen Probelektion getestet werden. «Wir legen grossen Wert darauf, dass unsere Lehrpersonen selber aktive und begeisterte Musiker sind», betont Siro. Regelmässige Auftritte zeigen nicht nur ihre Kompetenz, sondern auch ihre Vorbildfunktion. Instrumentor gibt es seit Ende 2011 und wächst ständig. Siro und Andreas möchten möglichst viele Instrumente und Musikstile an möglichst vielen Orten anbieten können.
Zusätzlich zum Musikunterricht veranstaltet Instrumentor regelmässig Workshops. Im August konnte man zum Beispiel lernen, wie man selber Musik aufnimmt – bei keinem geringerem als Lee Everton, der schon Alben für Phenomden, Seven oder Sektion Kuchikäschtli produziert hat.

Zum Musikspielen ist man nie zu alt, und gerade als Student ist es ein wunderbarer Ausgleich zum Studi-Alltag. Auch da wissen die zwei Vollblutmusiker wovon sie reden: Siro hat vor zwei Jahren sein Publizistik-Studium in Zürich abgeschlossen und Andreas ist Doktorand am IPMZ und hat die letzten drei Jahre in der kommunikationswissenschaftlichen Forschung verbracht. Ran an die Saiten und auf zum neuen Hobby! Oder erstmal an die Tasten für weitere Informationen zum Musikunterricht auf www.instrumentor.ch.

Bleibt auf dem Laufenden auf dem Blog oder der Facebookseite von Instrumentor, wo Siro und Andreas manchmal auch aus dem eigenen Musiker-Nähkästchen plaudern, Workshops vorstellen und praktische Tipps weitergeben.


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