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Lisa meint mega: What the hell is wrong with you United States?A

Lisa meint mega: What the hell is wrong with you United States?

Kolumne | 20.12.2012 um 11:37 Uhr

Die sonst so besinnliche Adventszeit wird seit letztem Freitag vom Sandy Hook Massaker in Connecticut überschattet. Amokläufe in Schulen sind in den USA keine Seltenheit und sorgen für weltweite Bestürzung. Obwohl nach solchen Gewalttaten der mediale Druck auf die Politik zur notwendigen Waffen-Debatte führt, verläuft diese leider für gewöhnlich im Sand.

von Lisa Stähli

Es ist bereits der fünfte Amoklauf an einer US-amerikanischen Schule allein in diesem Jahr. Dass es sich dabei um eine Grundschule handelt und die Opfer zwischen fünf und zehn Jahre alt sind, macht das Massaker zu einer unbegreiflichen Tragödie. Amokläufe dieser Art häufen sich seit den 1980er Jahren und der Grund dafür kann nur erahnt werden. Einige der Taten lassen auf Nachahmungen schliessen: Die gewaltige Medienaufmerksamkeit, die einem «school shooting» zugeteilt wird, stellt einen Anreiz dar. Gleichzeitig sinkt die Hemmschwelle – sobald ein potentieller Amokläufer das geplante Blutbad von einem anderen durchgeführt sieht, wird es für ihn real möglich. Der Amokläufer von Sandy Hook erschien an der Schule mit schusssicherer Weste und Kampfanzug und trug drei Waffen bei sich. Das Massaker war minutiös geplant und bis ins letzte Detail vorbereitet. Es bleibt die Frage nach dem Warum und dem Wie. Warum wollte der 20-Jährige den Tod dieser Kinder? Und wie gelangte er in den Besitz dieser Waffen?

Während die erste Frage von Psychologen und Kriminologen mindestens teilweise geklärt werden kann, löst die zweite eine in den USA längst überfällige Debatte über das Waffenrecht aus. Der legale Besitz von Waffen ist dortzulande nämlich verfassungsrechtlich geschützt und wird wenigstens von einem Teil der Bevölkerung als kulturelle Eigenheit angesehen. Die Tatsache, dass weitaus mehr Amerikaner durch Schusswaffen im eigenen Land ums Leben kommen, als auf allen Kriegseinsätzen im Ausland, scheinen ungefähr 50 Prozent der Bevölkerung auszublenden. Schlimmer noch: Wie der Ex-Gouverneur Mike Huckabee auf Fox News verlauten liess, müsse man solche Gewalttaten am ehesten auf die Abwesenheit Gottes in Schulen und öffentlichen Institutionen zurückführen.

Der erste datierte Amoklauf an einer amerikanischen Schule stammt aus dem Jahr 1764. Zu dieser Zeit befand sich die USA noch im Krieg gegen die Ureinwohner des Kontinents und war noch nicht einmal unabhängig. Im 19. Jahrhundert gab es einige weitere Massaker, die in den Folgejahren mit der Entstehung von neuen Schulen und dem Bevölkerungswachstum zunahmen. Damals waren fast alle US-Amerikaner gottesfürchtig und besuchten brav die Kirche, also wieso gab es trotzdem Amokläufer, Mr. Huckabee? Der fromme Republikaner – wen wundert‘s? – würde zur Antwort geben, dass es zu allen Zeiten Sünder gab. Denn zum Massaker von Aurora, bei dem zwölf Personen während einer Vorpremiere ihr Leben liessen, meinte er, die USA habe kein Problem mit Kriminalität, Gewalt oder dem Waffengesetz, sondern ganz einfach «a sin problem» – was auch immer das bedeuten soll. Dass die Gewalt durch eine Rückbesinnung auf christliche Werte abnimmt, bleibt auf alle Fälle zweifelhaft.

Änderungsvorschläge für den sogenannten zweiten Verfassungszusatz, der den legalen Besitz von Waffen sicherstellt, stossen den amerikanischen Bürgern seit jeher sauer auf. Erst 1968 wurde der Verkauf von Waffen an Schwerverbrecher (!) verboten und zwar gleichzeitig mit der Einschränkung, dass Feuerwaffen nicht mehr per Post verschickt werden dürfen. Die armen Waffenhändler mussten sich in Folge dessen eine Alternative zur bewährten Päckli-Methode suchen, oje. Und wenn man zu Weihnachten dem Bruder mal wieder eine neue 9mm schenken wollte, musste man von nun an halt persönlich vorbeigehen. Viel weiter liessen sich die Amis bis jetzt jedoch nicht einschränken.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die USA zahlenmässig seit Jahren die meisten Amokläufe verzeichnet – und zwar nicht nur an Schulen. Präsident Obama kündigte in einem emotionalen Fernsehauftritt an, dass sich etwas ändern muss. Doch solange ein Grossteil der Amerikaner auf diesem doch ziemlich unsinnigen Grundrecht beharrt, wird der Präsident weiterhin in uneinsichtige Gesichter und dunkle Pistolenläufe blicken, während zukünftige Massaker noch mehr unschuldige Opfer fordern.


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