Grillieren auf dem Balkon: Was Studenten wissen müssen

Endlich raus aus dem Elternhaus: Der Beginn des ersten Semesters bedeutet für viele junge Studenten gleichzeitig die Suche nach der ersten eigenen Wohnung. Möglichst gross sollte sie sein, zentral gelegen und mit guter Verkehrsanbindung. Zu den beliebtesten Extras gehört dabei oft ein eigener Balkon, auf dem man im Sommer mit Kommilitonen und Freunden grillieren und feiern kann. Doch beim Grillieren auf dem Balkon ist Vorsicht geboten. Wer nicht aufpasst, läuft Gefahr, sich Ärger mit Nachbarn und Vermietern einzuhandeln, der sogar bis zur fristlosen Kündigung führen kann.

Grillieren ist erlaubt, solange es nicht verboten ist
Die gute Nachricht zuerst: Grundsätzlich ist es Mietern erlaubt, auf dem Balkon ihrer Wohnung zu grillieren. Etwas anderes gilt nur, wenn das Grillieren auf dem Balkon im Mietvertrag ausdrücklich verboten ist. Verstösst ein Mieter gegen dieses explizite Verbot, kann der Vermieter eine Abmahnung aussprechen. Spätestens mit einem erneuten Verstoss gegen das Grillverbot geht der Mieter dann ein hohes Risiko ein, denn die wiederholte Pflichtverletzung trotz Abmahnung eröffnet dem Vermieter die Möglichkeit zur ausserordentlichen fristlosen Kündigung aus wichtigem Grund. Es empfiehlt sich also, vor dem Grillfest auf dem Balkon einen genauen Blick in den Mietvertrag und die Hausordnung zu werfen.

Besondere Vorsicht ist übrigens bei den bei Studenten beliebten Wohngemeinschaften geboten. Hier ist der Hauptmieter auch dafür verantwortlich, dass seine Mitbewohner nicht gegen ein etwaiges Grillverbot verstossen. Kommt es bei mehrmaligen Verstössen trotz Abmahnung zu einer Kündigung, betrifft das alle Mitbewohner, egal, wer für die Pflichtverletzung verantwortlich ist. In WGs sollten die Mitbewohner sich deshalb schon aus gemeinsamem Interesse geschlossen an die Regelungen im Mietvertrag und der Hausordnung halten.

Doch nicht nur Mietern kann das Grillieren auf dem Balkon untersagt werden. Auch Eigentümer einer Wohnung in einer Wohnungseigentumsanlage müssen ausdrückliche Grillverbote grundsätzlich beachten. Allerdings muss im Einzelfall geprüft werden, unter welchen Voraussetzungen das Grillieren mit möglichst geringer Belästigung der Nachbarn ermöglicht werden kann.

Belästigung von Nachbarn vermeiden
Auch wenn das Grillieren nicht ausdrücklich verboten ist, sind Mieter zur Rücksichtnahme auf ihre Nachbarn verpflichtet. Wer regelmässig mit viel Rauch und Lärm direkt neben dem Schlafzimmer des Nachbarn grilliert, riskiert Ärger mit dem Vermieter, der letztendlich ebenfalls zu Abmahnungen sowie zur Kündigung des Mietverhältnisses führen kann. Denn beim Grillieren entstehen zwangsläufig Rauch, Gerüche und gerade bei feiernden Studenten viel Lärm. Es empfiehlt sich daher, die Belästigung der Nachbarn auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, um dem Vermieter gar keinen Anlass zu drastischen Massnahmen zu geben. Beispielsweise verursachen Elektro- und Gasgrills wesentlich weniger Emissionen als Holzkohlegrills. Ausserdem sollten Mieter ihren Nachbarn rechtzeitig vor dem Grillieren Bescheid sagen und diese eventuell sogar zum Grillieren einladen. Sollte das Grillieren in der eigenen Wohnsituation jedoch unproblematisch sein, lohnt es sich, langfristig gesehen, in einen qualitativ hochwertigen Grill zu investieren.

Sicherheit beim Grillieren
Wer zum Grillfest lädt, ist grundsätzlich für die Sicherheit seiner Gäste verantwortlich. Bei Mietern kommt noch die Verantwortung gegenüber der Mietsache hinzu. Wird beispielsweise der Balkonboden durch Russ und heisse Kohlen beschädigt, haftet der Mieter dem Vermieter auf Schadensersatz. Aus der gleichen Vorschrift können Grillgäste den Gastgeber verklagen, wenn dieser fahrlässig handelt und die Gäste deshalb etwa durch einen Brand verletzt werden. Es empfiehlt sich deshalb immer, beim Grillieren einen Feuerlöscher griffbereit zu haben. Ausserdem muss bei der Anwesenheit von Kindern deren Sicherheit vor dem Grill ausreichend gewährleistet sein.

Wann lohnt sich der Gang zum Anwalt?
Ein auf Mietrecht spezialisierter Anwalt kann euch nicht nur über die rechtlichen Rahmenbedingungen des Grillierens auf dem Balkon aufklären, sondern auch juristisch gegen eventuelle Grillverbote, Abmahnungen und Kündigungen vorgehen. Dies ist jedoch immer mit relativ hohen Kosten verbunden, die vor allem Studenten abschrecken. Grundsätzlich ist es deshalb besser, zunächst das Gespräch mit Nachbarn und Vermieter zu suchen, um die Differenzen einvernehmlich zu beseitigen. Ein Anwalt sollte jedoch spätestens dann eingeschaltet werden, wenn eine Abmahnung, Schadensersatzansprüche oder sogar eine Kündigung im Raum stehen.

Was Studenten beim Grillieren an öffentlichen Plätzen beachten müssen
Keine Frage, Partys mit dem Kommilitonen gehören zum Studentenleben einfach dazu. Und insbesondere im Sommer bietet es sich an, den Spass mit einem leckeren und gegrillten Essen zu verbinden. Wer nicht gerade über eine Wohnung mit ausreichend gross dimensioniertem Balkon und toleranten Nachbarn verfügt, muss dabei in der Regel auf öffentliche Plätze ausweichen. Doch das Grillieren ist in den Unistädten nicht überall erlaubt und kann mit Bussgeldern geahndet werden, die das ohnehin knapp bemessene Studentenbudget noch weiter schmälern. Auch beim Grillieren selbst lauern viele Haftungs- und Kostenfallen.

Wo ist Grillieren erlaubt und wo nicht?
Beim Grillieren auf öffentlichen Plätzen gilt das genaue Gegenteil der Rechtslage als in der Mietwohnung: Solange das Grillieren nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist es verboten. Die Unistädte kennzeichnen zum Grillieren freigegebene Plätze in der Regel durch Schilder aus. An beliebten Studententreffpunkten, wie etwa an der Neckarwiese in Heidelberg, werden auch befestigte Grillplätze zur Verfügung gestellt. Das Gleiche gilt für private Grundstücke wie Hafengelände oder den Campus der Universität. Wer hier grillieren will, sollte sich zunächst eine ausdrückliche Genehmigung einholen.

Sicherheitscheckliste für Grillpartys
Um beim Grillieren keine bösen Überraschungen zu erleben, sollten die Studenten einige wichtige Punkte befolgen:

  • Feuerlöscher und Wasser für den Notfall sollten zur Grundausstattung gehören und stets griffbereit sein. Wer mit Gas grilliert, muss die Anleitung auf der Gasflasche exakt befolgen.
  • Keinesfalls sollte dicht an Waldgebieten oder Gebäuden aus entzündbarem Material gegrillt werden. Kommt es hier zu einem Brandunfall, können die Schadensersatzforderungen in die Millionenhöhe gehen.
  • Private Grillpartys können an öffentlichen Grillplätzen grundsätzlich spontan gefeiert werden. Wird jedoch eine öffentliche Party mit einem unbestimmten Kreis an Teilnehmern geplant, gilt diese Feier als Veranstaltung, die bei der Stadtverwaltung angemeldet werden muss.

Die rechtlichen Fallstricke beim Grillieren an öffentlichen Plätzen
Natürlich soll die Grillparty Spass machen und nicht zu rechtlichen Schwierigkeiten führen. Wer jedoch nicht aufpasst, kann sich schnell jede Menge Ärger mit Polizei, Gerichten und anderen Bürgern einhandeln.

  • Studentenpartys sind bekanntlich alles andere als leise. Gerade deshalb sollten die Teilnehmer darauf achten, dass der Geräuschpegel die Anwohner vor allem nachts nicht stört. Ansonsten droht ein Platzverweis durch die Polizei.
  • Der Müll sollte nach der Feier stets entsorgt werden. Falls eine Sonderreinigung durch die Stadt nötig wird, können die Kosten hierfür dem Veranstalter als polizeirechtlicher Störer auferlegt werden, gerade für Studenten wird das oft sehr unerschwinglich sein.
  • Wer abseits von deutlich als solche gekennzeichneten Grillplätzen zur Party lädt, handelt grundsätzlich fahrlässig und ist für entstehende Schäden an Gebäuden und Personen verantwortlich. Wird beispielsweise ein Gast verletzt, weil der Grillplatz nicht ausreichend abgesichert ist, kann dies sogar strafrechtliche Konsequenzen haben. Denn auch eine fahrlässige Körperverletzung ist strafbar. Für Sachbeschädigungen haftet der Verursacher dann auf Schadensersatz. Gerade beim Grillieren in Industrie- oder Hafengebieten kann es durch einen fahrlässig verursachten Grossbrand schnell um Summen in Millionenhöhe gehen, die die eigene Existenz gefährden können.

Fazit: Vorsicht ist besser als Nachsicht
Bei Studentenpartys steht der Spass im Vordergrund. Schliesslich soll die kurze Zeit der Freiheit zwischen Schule und Beruf auch angemessen genossen und gefeiert werden. Dennoch sollten sich auch Studenten ihrer Verantwortung und der möglichen Konsequenzen bewusst sein, die bei Grillfeiern entstehen können. Es empfiehlt sich daher, nur an dafür ausdrücklich freigegebenen Orten zu Grillieren. Denn das grundsätzliche Grillverbot ist keine Schikane für Studenten, sondern soll letztendlich auch diese vor den Gefahren fahrlässiger Grillunfälle schützen

Weitere Informationen:
Miet- und Nachbarrecht
Hauseigentümerverband Schweiz