Arbeit, schreibe dich!B

Arbeit, schreibe dich!

Gerade während den Semesterferien gehört es für Studenten zum täglich Brot: Arbeiten schreiben. Ein philosophisch-historisches Studentenleben umfasst etwa 8 Arbeiten (Masterarbeit nicht inbegriffen), Naturwissenschaftler und Mediziner müssen weniger häufig in die Tasten hauen. Mit der Zeit häuft sich die Erfahrung. Ein kleiner Leitfaden hilft trotzdem, die grauen Zellen wieder auf Vordermarsch zu bringen, damit es nicht heisst: Ach, hätte ich doch früher...

von Claudia Piwecki

1. Ein Thema finden

Inspiration lautet das Zauberwort. Meistens hat man ja schon eine grobe Vorgabe innerhalb eines Seminars. Wichtig ist aber, dass man sich für das Thema entscheidet, bei der man nicht froh ist, wenn der erste Text gelesen ist, sondern man erst recht auf den Geschmack kommt. Je faszinierter man ist, mit umso mehr Freude bleibt man an der Arbeit dran.

2. Recherche

Die Recherche ist wohl der wichtigste Teil des Prozesses. Leider auch der am meisten Unterschätzte. Wenn man schon viel gelesen hat, aber noch nichts geschrieben, heisst das nicht, dass man noch ganz am Anfang steht. Im Gegenteil: sich in ein Thema einzulesen, braucht Zeit. Je besser die Recherche, umso flüssiger geht das Schreiben dann von der Hand. Die Recherche hilft dazu, einen Überblick über den Forschungsstand zu erhalten, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, eine These zu formulieren und Material zu sammeln, um diese These zu bestätigen.

3. These

Manch einer weiss sie schon vor der Recherche, die meisten aber finden sie erst, wenn sie sich ins Thema eingelesen haben. In jedem Fall sollte es aber keine einfache Behauptung sein, sondern eine Aussage, die sich wissenschaftlich bestätigen lässt, aber Raum offenhält sie zu widerlegen. Genau das ist dann das Ziel einer guten Arbeit: diesen Raum am Ende möglichst klein gemacht zu haben. Punkt 2 und 3 laufen oft synchron oder wechseln sich in der Reihenfolge ab.

4. Gliederung

Struktur ist die halbe Miete. Genug Überlegung hier hineinzustecken lohnt sich. Eine gute Gliederung verhindert, dass man sich verzettelt und von der These, die man bestätigen will, abweicht. Der richtige Aufbau spiegelt dar, wie man logisch vorgeht, um die These im wissenschaftlichen Kontext zu präsentieren und zu bestätigen. Bei philosophischen Themen ist es keine Seltenheit, dass man den Aufbau öfter durcheinander schmeisst. Oft öffnen sich neue Aspekte erst mit der Zeit. Das ist keineswegs negativ, sollte aber in der Zeitplanung berücksichtigt werden.
Generell gilt:
- Einführung: Präsentation der These (bestenfalls schon schreiben, bevor man mit Punkt 5 beginnt und am Schluss nochmals überarbeiten)
- Hauptteil: Kapitel und Unterkapitel um die These logisch zu bestätigen
- Schluss: Abrundung der Arbeit, die das Ergebnis zusammenfasst

5. Rohfassung

In der Phase der Rohfassung schreibt man. Der Fokus liegt hier auf dem Inhalt. Es gibt verschiedene Methoden: manche schreiben drauf los und ordnen erst dann, andere wählen Kapitel und gehen Schritt für Schritt vor – die effizientere Variante. Doch auch kreative Mindmaper sollen sich nicht beirren lassen, solange man die Gliederung im Kopf behält, lässt sich alles am Ende in die richtige Reihenfolge bringen.

6. Zitieren

Die Leiden der jungen Denker… Grundsätzlich gibt es mehrere Varianten. Eine der häufigsten, die sogenannte «Englische Zitierweise» sieht so aus:
Name, Vorname. Buchtitel. Untertitel. Ort: Verlag, Jahr.
Wie genau zitiert wird unterscheidet sich von Institut zu Institut, auch innerhalb einer Universität. Am Besten, auch nach Jahren Erfahrung im Arbeitschreiben, sollte man die entsprechenden Richtlinien immer zur Hand haben.

7. Überarbeiten, Formulieren

Nun gilt, die Rohfassung stilistisch und formell auf die richtige Bahn zu lenken. Ausserdem sollte kontrolliert werden, ob die Gliederung eingehalten wurde und der Inhalt mit der Struktur übereinstimmt. Es gibt Unis, die sehr genau auf formelle Anforderungen achten (z.B. ein Punkt nach der Kapitelzahl, Seitenzahlen, etc.), deshalb sollte man genug Zeit haben, diese Dinge zu beachten, denn nur deshalb eine schlechtere Note zu bekommen, ist schade und unnötig.

8. Abgeben

Vorsicht: so befreiend dieser letzte Schritt sein mag, davor sollte man sich nochmals am Riemen reissen. Aktives Durchlesen ist ein Muss. Wer noch Zeit hat und Freunde mit Zeit, tut gut daran, sich die Endfassung durchlesen zu lassen. Je nach Feedback kann man dann zu Punkt 5 zurückspringen. Alle anderen dürfen die Plagiatserklärung nicht vergessen, und ab geht’s zum Professor.


Generell sollte man während des ganzen Prozesses immer die Deadline im Auge behalten. Alle acht Schritte in ein paar Nächten durchzusausen kann gelingen, ist aber nicht förderlich für Nervenkostüm und Endergebnis. Viel Erfolg!