Buch oder E-Book? Self Publishing für studentische Autoren

Gruppenarbeiten, Prüfungen, Essays - im studentischen Alltag wird eine Menge geschrieben. Trotzdem gibt es genug Studierende, die neben dem akademischen Schreiben selbstständig kreative Texte verfassen. Aus Zeitmangel schaffen es aber nur wenige dieser studentischen Autoren, ein eigenes Buch zu schreiben. Die Schwierigkeiten werden mit der letzten fertig geschriebenen Zeile nicht weniger. Wie und wo soll das Buch gedruckt werden? Wie lässt es sich vermarkten? Das Konzept des Self Publishing bietet für Studenten gerade in dieser Hinsicht interessante Möglichkeiten.

Die Option des Self Publishing ist nicht neu: Traditionell ist es das letzte Mittel derer, die keinen Verlag finden, der dazu bereit ist, ihr Buch zu publizieren. Nur war es früher weitaus schwieriger, einen Buchdruck und -verkauf komplett im Alleingang zu organisieren und auch zu finanzieren. Mit der Möglichkeit des Selbstverlages fallen viele dieser Schwierigkeiten weg. Alles fängt damit an, dass sich der Autor keine Sorgen darum zu machen braucht, keinen Verleger zu finden. Gerade für junge Autoren, die noch nichts veröffentlicht haben, ist dies ein wichtiger Punkt. Ausserdem ist die Verlagssuche aufgrund der hohen Konkurrenz üblicherweise schwierig und sehr langwierig. Ein Buch selbst zu verlegen lässt diesen Schritt aus. Dabei hat man die Wahl zwischen einem herkömmlichen Buch und einem E-Book.

Ein digitales Buch

Der Autor kann sein Buch direkt nach Fertigstellung als E-Book anbieten. Im Internet ist es dann in unendlicher Stückzahl verfügbar, ohne dass der Autor für den Druck in Vorleistung gehen müsste. Ein weiterer Vorteil des E-Books: Der Hauptgewinn aller Einnahmen geht direkt an den Schriftsteller. Das sind im Schnitt 50-70 % des Verkaufspreises. Online-Händler, die das Buch über ihre Plattform zum Kauf anbieten, bekommen einen kleinen Anteil der Einnahmen. Ausserdem muss noch eine Mehrwertsteuer von 7.7 % (Stand Juni 2018) abgeführt werden. Mit einem geschätzten Marktanteil von 60 % ist Amazon zurzeit die beliebteste E-Book-Plattform in Deutschland. Das lässt sich damit erklären, dass der Branchenriese nur 3 % Mehrwertsteuer abführen muss und den Autoren durch seine Bekanntheit eine grosse Sichtbarkeit und Reichweite bietet. Autoren, die Self Publisher werden möchten, sollten bedenken, dass sie Nebenkosten mit einkalkulieren müssen und im Gegensatz zu einem traditionellen Verlag keine finanziellen Vorschüsse bekommen. Denn ein Lektorat und ein durchdachtes Layout sowie eine ansprechende Titelseite sollten auch für jedes E-Book Standard sein. Mit durchschnittlich 2-3 € ist der Verkaufspreis eines E-Books zudem deutlich geringer als der eines gedruckten Buches.

Ein gedrucktes Buch

So attraktiv der E-Book-Markt auch sein mag: Der Marktanteil im Vergleich zum regulären Buchhandel ist immer noch gering. Aktuelle Statistiken beziffern den Umsatzanteil von E-Books am Buchmarkt mit rund 5 %. Für Selbstverleger gibt es jedoch ebenso die Möglichkeit, sich auf dem traditionellen Buchmarkt zu versuchen. Im Internet kann man mit wenigen Klicks sein eigenes Buch ordern und Details wie die genaue Formatgrösse, das Papier oder die Heftung selbst bestimmen. Der Vorteil: Man kann auch geringe Stückzahlen drucken lassen und geht damit weniger Risiko ein. Denn nur die wenigsten Studenten dürften es sich leisten können, selbstständig eine grosse Auflage zu finanzieren.

Die Vermarktung müssen Self Publisher bei beiden Optionen selbst in die Hand nehmen. Nicht nur für das E-Book, auch für das gedruckte Buch stellt das Internet die wohl reichweitenstärkste Option in puncto Werbung dar. Allerdings sollte man Buchmessen und literarische Veranstaltung nicht vergessen. Gerade wenn es um Nischenthemen geht, können die Erfolgschancen hier überraschend hoch sein.


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