Networking lernen – Geltende Regeln und Prinzipien

Gut vernetzte und in Netzwerken geschätzte Personen sind erstens keine Egozentriker und zweitens kontaktfähig und -interessiert. Wer stets bloss auf seinen Vorteil bedacht ist und für jede gute Tat ein mindestens gleich hohes «Retourgeld» erwartet, dürfte als NetzwerkerIn Enttäuschungen erleben. Wer klar definierte, nahe liegende Zwecke erfüllen will, ist mit dem Einkauf von Dienstleistungen auf dem Markt vermutlich besser bedient.

Menschliche Beziehungen sind vielschichtig, unberechenbar und zeitaufwändig; es braucht eine Basis von Gemeinsamkeit und Vertrauen, bevor in der Begegnung produktives Neues entsteht.

Grosszügigkeit und grundsätzliches Wohlwollen nach dem alten Grundsatz: ‹Geben ist seliger als Nehmen› charakterisieren eine günstige Grundhaltung. Vielleicht ist es kein Zufall, dass im Zeitalter der Ich-AGs mit seinem Fokus auf Eigeninteressen die Nachfrage nach Know-how und Kursen für Networking steigt.

Alles, was zwischenmenschlichen Austausch angenehm macht, bewährt sich auch beim Netzwerken. Freundlichkeit, Zugänglichkeit, Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft nützen beim Brückenbau zwischen Personen. Hinterhältigkeit, Spass an Intrigen und Unzuverlässigkeit können sich bloss Leute in Netzwerken leisten, die sehr attraktive ‹Tauschwährungen› einbringen.

Networking - Welche Prinzipien und Regeln gelten?

Personale Netzwerke sind ruhendes ‹Beziehungskapital›, das gelegentlich oder regelmässig aktiviert wird, indem man sich telefonisch, elektronisch, schriftlich oder direkt begegnet und im kleinen oder grösseren Rahmen austauscht. Als erster Grundsatz gilt: Je intensiver sich die Beteiligten ins Beziehungsgefüge einbringen, desto stärker ist das Netzwerk.

Die Menschheitsgeschichte ist voller Zeugnisse, dass Gruppen und Einzelne über ein subtiles Gespür für Tausch, Geschenk und Gegengeschenk verfügen. Personen brauchen dieses auch in Netzwerken: Geben und Nehmen müssen sich nicht kurzfristig, aber auf längere Sicht irgendwie balancieren. Ein wesentlicher zweiter Grundsatz ist, dass ein durchaus grosser Apfel gegen eine kleine Birne getauscht werden kann, - es geht auch da nicht um klein karierte Buchhaltung - und dass das Hin und Her überhaupt nicht bilateral zwischen zwei Personen stattfinden muss: Das Netzwerk bildet einen grossen Kreislauf, innerhalb dessen profitiert und investiert wird.

Ein dritter wichtiger Grundsatz hat die Freiwilligkeit zum Inhalt. Netzwerke haben keine Pflichtmitglieder und keine im Netzwerk verbundene Person muss in einem bestimmten Zeitpunkt unverhandelbar gewisse Leistungen erbringen. Wünsche, Einladungen und Aufforderungen können, müssen aber nicht gehört, angenommen und erfüllt werden. Die Verbindlichkeit basiert nur auf dem Prinzip der Selbstverpflichtung.

Alle Beteiligten tragen gleichermassen Verantwortung fürs Gedeihen des Netzwerks; Lücken werden nach dem Prinzip der Selbstorganisation rasch geschlossen; Probleme werden unmittelbar artikuliert und Konflikte direkt bearbeitet.

Netzwerke haben keine hierarchische Gliederung; jeder ‹Knoten› ist im Prinzip gleichwertig. Das schliesst nicht aus, dass gesellschaftlich besonders brillant Platzierte über mehr Prestige und Attraktivität verfügen. Doch der Weg zwischen den Beteiligten ist grundsätzlich stets gleich lang.

Offene Netzwerke bringen unterschiedliche Personen zusammen. Um zu funktionieren, setzen sie die Fähigkeit ihrer Mitmachenden voraus, sowohl sympathiemotivierte wie instrumentelle zwischenmenschliche Beziehungen konstruktiv zu gestalten.

Sie erweitern die Möglichkeiten der Mitmachenden dann am meisten, wenn thematischer Fokus und Gesinnung nicht allzu eng definiert sind: Andere Perspektiven, Herkünfte und Ausbildungen öffnen und verändern den Blick aufs Eigene nachhaltiger, weil ‹Fremdere› Anderes sehen als nahe Freunde.