Standortbestimmung

Studieren Sie ein Fach, das Ihnen nach dem Abschluss viele berufliche Möglichkeiten offen lässt? Gehören Sie nicht zu den Leuten, die seit ihrer Kindheit wissen, welchen Beruf sie später ergreifen wollen, oder hat sich Ihr Berufswunsch seit da immer wieder verändert?

von Career Services der Universität Zürich

Eine Standortbestimmung kann helfen,

- Ihre Interessen, Fähigkeiten, Wünsche und Ziele zu veranschaulichen
- rechtzeitig den Einstieg ins Berufsleben zu planen
- bereits während des Studiums fit für den Arbeitsmarkt zu werden.

Folgende Informationen sollen Ihnen als Anleitung dienen, wie Sie selbst eine Standortbestimmung vornehmen können, und Ihnen bei der Beantwortung der Fragen helfen.

Wer bin ich?

Erstellen Sie eine Liste Ihrer Interessen – kulturell, politisch, sozial, persönlich.

Falls Ihnen dies schwer fällt:
- Stellen Sie sich vor, Sie seien mit jemandem in einer Alphütte. Über welche Themen würden Sie mit ihm sprechen wollen?
- Stellen Sie sich eine fiktive Buchhandlung vor. Welche Abteilung steuern Sie als erste an?
- Nehmen Sie zehn Notizzettel zur Hand. Beschriften sie jeden mit einer zu Ihnen passenden Eigenschaft (z.B. Frau, Wissenschaftlerin, koche gern, tierliebend, kontaktfreudig). Listen Sie danach stichwortartig auf, welche Aspekte der Eigenschaft Sie interessieren bzw. Ihnen Spass bereiten (koche gern: z.B. kreativ sein oder sich exakt an Rezepte und Richtlinien halten, Kopf und Hände betätigen, Interesse an Neuem, etwas von A bis Z durchführen, alleine etwas umsetzen oder schaffen, sofortiges und sichtbares Resultat). Suchen Sie anschliessend nach Überschneidungen, aus denen hervorgehen wird, was Ihnen wirklich Spass macht.
- Stellen Sie sich vor, Sie wären Marketingleiter einer Firma und hätten die Aufgabe, die Werbe- und Verkaufsstrategie für die Produkte des Unternehmens zu entwickeln. Dieser eine Beruf kann je nach Branche, in der die Firma tätig ist, eine Vielzahl an Ausprägungen haben. Es spielt eine Rolle, ob Sie Marketingleiter eines IT-Unternehmens, eines Verlags, einer Bank, eines Gärtnerbetriebs oder einer Fluggesellschaft sind. In welcher Branche wären Sie am liebsten tätig?
- Nutzen Sie Kreativitätstechniken, die Ihnen auf der Suche nach dem, was Sie interessiert, weiterhelfen können.

Was kann ich?

Erstellen Sie ein Persönlichkeitsprofil mit Ihren Kompetenzen, Fähigkeiten und Eigenschaften.

Kompetenzen

Bringen Sie Ihren Lebenslauf auf den aktuellen Stand, sammeln Sie Ihre Zeugnisse, Weiterbildungsbestätigungen, Sprachzertifikate. Damit können Sie sich einen ersten Überblick über Ihre Sachkompetenzen und Ihr Fachwissen (auch Hard Skills genannt) verschaffen. Tragen Sie anschliessend folgende Informationen auf einem Blatt zusammen:
- Ausbildung und Fachwissen (Studium, Projekte, Arbeiten, Abschlüsse, Weiterbildungen)
- Berufliche Erfahrungen (Praktika, Studentenjobs, Ferienjobs, ehrenamtliche Tätigkeiten etc.)
- Ausserberufliche Kenntnisse und Erfahrungen (Sprachen, EDV, Auslandaufenthalte, Erteilen von Nachhilfe, Vereinstätigkeit, Hobbys etc.)
Listen Sie auf, was Sie im Rahmen dieser Tätigkeiten und Erfahrungen genau gemacht haben (Projekte, Situationen, Erfolge). Überlegen Sie sich dabei vor allem, was Sie gerne getan haben und was Sie weiterhin tun wollen.

Fähigkeiten

Werden Sie sich Ihrer Fähigkeiten (auch Transferable Skills genannt) bewusst. Folgende Aufstellung möglicher Fähigkeiten kann Ihnen als Anregung dienen:

Sprachliche / kommunikative Fähigkeiten

Texte schreiben, korrigieren, analysieren, interpretieren, Fremdsprachen sprechen, telefonieren, smalltalken, verhandeln, formulieren

Intellektuelle / mathematische Fähigkeiten

Informationen sammeln, zusammenstellen, organisieren, klassifizieren, recherchieren, untersuchen, analysieren, visualisieren, bewerten, beurteilen, Probleme/Situationen erfassen, analysieren, lösen, hinterfragen, rechnen, mit Zahlen, Formeln, Grafiken, Statistiken arbeiten, forschen, schlussfolgern, Neues erfinden, entwerfen, erschaffen, planen, entwickeln, Informationen speichern, aufzeichnen, abrufen, sich merken können, nutzbar machen

Wirtschaftliche / organisatorische Fähigkeiten

Konzepte erstellen, Projekte durchführen, verkaufen, Probleme beheben, Prioritäten setzen, etwas präsentieren, sich auf Neues einlassen, etwas ordnen, organisieren, koordinieren, administrativ erledigen

Soziale Fähigkeiten

Kontakte knüpfen, Netzwerk pflegen, auf Leute zugehen, mit Einzelpersonen/Gruppen umgehen, im Team arbeiten, Verantwortung übernehmen, Menschen zusammenbringen, anleiten, führen, unterrichten, beraten, therapieren, pflegen, beobachten, verstehen, motivieren, einschätzen, auswählen, überzeugen

Körperliche Fähigkeiten

körperlich arbeiten, etwas mit Körper, Händen, Augen etc. tun, mit Materialien, Dingen Geräten, Maschinen, Pflanzen, Tieren arbeiten.

Im Internet finden sich weitere Listen, z.B. auf www.be-werbung.ch oder bei der Studienberatung Aargau.

Übung zum Erkennen der eigenen Fähigkeiten

Eigenschaften

Decken Sie Ihre persönlichen Eigenschaften auf (auch Soft Skills oder Schlüsselkompetenzen genannt): Die Adjektivliste kann als Anregung dazu dienen, eine Selbsteinschätzung Ihrer persönlichen Eigenschaften vorzunehmen. Gehen Sie die Liste durch und überlegen Sie sich, welche Eigenschaften auf sie zutreffen. Wählen Sie anschliessend die Eigenschaften aus, die Ihre Person am besten und umfassendsten charakterisieren, und überlegen Sie sich zu jedem Adjektiv, in welcher Situation oder bei welcher Erfahrung Sie die Eigenschaft erworben bzw. angewandt haben.

Was will ich?

Erkennen Sie im Folgenden Ihre beruflichen Werte und Wünsche und übertragen Sie diese ins Ergebnisblatt.

Kommen Sie Ihren Werten auf die Spur

Ideal ist es, wenn Sie beruflich etwas tun können, das Sie nicht nur gut und mit Spass ausführen, sondern auch als wichtig und sinnvoll erachten.

Übung

Haben Sie eine genaue Vorstellung davon, was Sie in Ihrem Leben alles erreichen wollen? Falls nicht, hilft Ihnen vielleicht die Übung des amerikanischen Experten und Buchautors Richard Nelson (Dick) Bolles, Ihren Werten auf die Spur zu kommen: Stellen Sie sich vor, Sie seien Zeuge ihrer eigenen Beerdigung. Von überallher sind Ihre Freunde und Bekannten angereist, um an der Trauerfeier teilzunehmen und Reden zu halten über Ihre Person, Ihre Taten und Leistungen. Was würden Sie wollen, das über Sie gesagt wird? Was soll Ihren Mitmenschen von Ihnen in Erinnerung bleiben? Hier eine Auswahl an möglichen Aussagen:

- beherrschte etwas meisterhaft
- hat etwas getan, das vor ihm niemand getan hat
- hat etwas erfunden
- hat etwas repariert, verbessert, perfektioniert - hat gegen etwas angekämpft - hat Menschen geholfen
- konnte gut zuhören, hatte Mitgefühl
- hat Menschen beeinflusst
- hat Veränderungen bewirkt
- hat die Welt gerechter gemacht
- hat die Welt schöner gemacht
- hat eine Vision verwirklicht
- hat sich durch seine Führungsstärke ausgezeichnet
- war ein toller Teamplayer
- hat viel Geld / Ruhm verdient
- hat alle beeindruckt

Tipps

- Nehmen Sie sich Zeit, z.B. ein Wochenende, eine Standortbestimmung lässt sich nicht in einer Stunde erstellen.
- Halten Sie Ihre Erkenntnisse auf dem Ergebnisblatt schriftlich fest, damit Sie sich auch später noch daran erinnern können.
- Arbeiten Sie mit diesen Erkenntnissen, aktualisieren oder überarbeiten Sie diese laufend.
- Sprechen Sie mit Kollegen, Freunden und Bekannten über Ihre Selbstanalyse und bitten Sie sie um eine (möglichst neutrale) Einschätzung.
- Für eine ausgiebigere (und nicht auf die eigene Perspektive beschränkte) Standortbestimmungen bzw. Laufbahnberatung bietet es sich auch an, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Laufbahnzentrum der Stadt Zürich
Berufsberatung des Kantons Zürich
- Weitere Tests und Arbeitsblätter finden Sie online unter

careerservices.uzh.ch
charakterstaerken.org
test.de
be-werbung.ch
arbeitsblaetter.stangl-taller.at