Vorstellungsgespräch - Eure Stärken und Schwächen

Wir glauben zwar, dass wir uns selbst ganz gut kennen, wenn uns jemand aber gezielt fragt, was wir gut können, was wir an uns mögen und was unsere Stärken sind, kommen wir ins Grübeln und Stottern. Häufig fällt es uns leichter zu sagen, was wir nicht an uns mögen, was wir nicht können und was unsere Schwächen sind. Im Vorstellungsgespräch wollen Sie aber Ihre Stärken und Vorzüge als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter verkaufen. Sie sollten sie also kennen.

Warum Sie Ihre Stärken kennen sollten

Ihre vorbereitende Auseinandersetzung mit Ihren eigenen Kompetenzen ermöglicht es Ihnen, im Vorstellungsgespräch überlegt und souverän aufzutreten und authentisch über sich selbst zu sprechen. Ein bedeutender Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass Sie begründen können, warum Sie der Meinung sind, dass Sie kreativ, sehr strukturiert oder teamfähig etc. sind. Sie können herausstellen, aufgrund welcher Gegebenheiten und Erfahrungen Sie zu dieser Selbsteinschätzung gekommen sind und wobei Sie diese Fähigkeiten und Kompetenzen unter Beweis stellen konnten. Nichts ist schlimmer in einem Vorstellungsgespräch, als in den Raum gestellte Aussagen zu Kompetenzen und Fähigkeiten auf Nachfrage nicht begründen zu können.

Beispiel – Fragen zu Ihren Stärken

Personalleiter: «Was denken Sie, wo liegen Ihre persönlichen Stärken?»
Bewerber: «Nun, ich bin sehr teamfähig.»
Personalleiter: «Das freut mich, wir arbeiten in unserem Haus sehr viel in Teams und Projektgruppen. Aufgrund welcher Erfahrungen sind Sie zu dieser Selbsteinschätzung gekommen?»
Bewerber: «Äh nun ja, äh, ich arbeite gerne mit anderen zusammen.»
Personalleiter: «Können Sie das vielleicht noch etwas konkretisieren? Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit anderen besonders wichtig?»


Dieser kleine Gesprächsausschnitt macht deutlich, dass es wenig überzeugend ist, wenn Sie von Stärken und Kompetenzen oder anderen persönlichen Eigenschaften sprechen, ohne diese begründen zu können.
Einen weiteren Vorteil haben Sie dadurch, dass Sie auch wissen, inwieweit sich Ihre Kompetenzen mit den Anforderungen des Unternehmens und der gewünschten Position decken. Sie können darlegen, in welchen Bereichen und für welche Aufgabenstellungen Sie Ihre Fähigkeiten nutzbringend und erfolgreich für das Unternehmen einbringen können.

Warum Sie auch Ihre Schwächen kennen sollten

Ihre Leistungspotenziale sind Ihre Verkaufsargumente. Sie bilden die Grundlage Ihrer Überzeugungsstrategie. Ihnen und jedem Personalentscheider ist klar, dass Sie neben Stärken auch über schwächere Kompetenzbereiche verfügen, das heisst, eine kritische Selbstanalyse ist ohne die Betrachtung der Bereiche, die Sie selbst als Schwächen ansehen, unvollständig. Die Fragen: „Wo sehen Sie Ihre Schwächen?“, „In welchen Bereichen würden Sie Ihre Kompetenzen gerne erweitern?“ werden häufig in einem Atemzug mit der Frage nach Ihren Stärken gestellt. Bereiten Sie sich darauf vor.

Wie kann ich das Wissen um meine Schwächen nutzen?

Wenn Sie sich mit den Bereichen auseinandersetzen, in denen Sie Ihrer Meinung nach nicht so gut sind, erhöhen Sie nicht nur Ihre Sicherheit und Überzeugungskraft im Vorstellungsgespräch, Sie können noch einen weiteren Vorteil daraus ziehen. Sie erhalten wichtige Anhaltspunkte, in welchen Bereichen Sie Ihre Kompetenzen in Eigenverantwortung erweitern können, um Ihre beruflichen Ziele zu erreichen. Für die von Ihnen erarbeiteten Entwicklungsbereiche sollten Sie sich also auch fragen:
• Wie bedeutsam ist diese Kompetenz für meinen beruflichen Erfolg?
• Wie bedeutsam ist diese Kompetenz für meine weitere berufliche Entwicklung (z. B. nächste Hierarchieebene)?
• Was kann ich tun, um meine Kompetenzen in diesem Be¬reich zu erweitern?

Ihre Ergebnisse können Sie in ein eigenes, neues Profil eintragen. Hier sollten Sie in die letzte Spalte eintragen, wie Sie Ihre heute noch wahrgenommenen Schwächen abbauen und neue Kompetenzen gewinnen werden. Damit haben Sie gleichzeitig wichtige und überzeugungsstarke Argumente für Ihre Vorstellungsgespräche. Sie machen deutlich, dass Sie eigeninitiativ an Ihrer beruflichen Entwicklung arbeiten.

Sorgen Sie für ein vorteilhaftes Gleichgewicht

Wenn Sie im Vorstellungsgespräch über Ihre Schwächen sprechen, sollten Sie durchaus etwas zurückhaltend sein. Sie sollten zwar nicht behaupten, Sie könnten etwas, was für die in Frage stehende Position eine Muss-Anforderung ist. Solche Vortäuschungen falscher Tatsachen sind spätestens bei Arbeitsbeginn offensichtlich. Sie müssen aber auch nicht jede Schwäche nennen. Die Aussage: „Ich bin manchmal zu ungeduldig“ wird allerdings von vielen Personalverantwortlichen nur noch belächelt. Diese Aussage zu nutzen – weil sie eigentlich keine wirkliche Schwäche ist –, wird Bewerbern häufig geraten. Aber alles, was zu häufig vorkommt, verliert irgendwann seine Wirkung.

Wie passen meine Kompetenzen zur gewünschten Position?

Eine Anforderung im Vorstellungsgespräch liegt darin, Ihrem Gesprächspartner den Nutzen aufzuzeigen, den er und sein Unternehmen gewinnen, wenn Sie eingestellt werden. Ihr Kompetenzprofil gibt Ihnen hier wichtige Informationen. Erfolgreich nutzen können Sie Ihre Kompetenzen aber erst, wenn Sie wissen, inwieweit Ihr Kompetenzprofil mit dem Anforderungsprofil der Stelle übereinstimmt.

Erstellen Sie ein Anforderungsprofil

Listen Sie alle fachlichen, persönlichen und verhaltensbezogenen Anforderungen auf, die Sie aus der Stellenausschreibung oder anderen Informationen gewinnen können. Versuchen Sie einzuschätzen, wie stark die Kompetenzausprägung bei dem neuen Mitarbeiter vom Unternehmen gewünscht wird. Die von Ihnen erkannten Anforderungen können Sie jetzt in Ihrem Kompetenzprofil ergänzen, indem Sie die gewünschten Ausprägungen z. B. in einer anderen Farbe eintragen. Sind Sie sich unsicher, wie wichtig eine Kompetenz, die in den Informationsmaterialien erwähnt wurde, für die zu besetzende Position ist, tragen Sie eine Kompetenzausprägung mit dem Wert 4 oder 5 ein. Damit vermeiden Sie, eine Anforderung zu unterschätzen.

Fragen zur Erarbeitung des Anforderungsprofils:
  • Welche Anforderungen und Erwartungen werden aus der Stellenausschreibung deutlich?
  • Welche Anforderungen konnte ich aus anderen Informationsmaterialien oder Gesprächen ableiten?
  • Welche Anforderungen sind mir aus Gesprächen mit Firmenmitarbeitern bekannt?
  • Welche Anforderungen sind mir aus vergleichbaren Positionen in anderen Unternehmen bekannt?

Wenn Sie Ihr Kompetenzprofil um Anforderungen ergänzen müssen, die in Ihrer eigenen Stärken/Schwächen-Analyse keine Rolle gespielt haben, sollten Sie noch einmal kritisch überprüfen, wie Ihre Kompetenzen in diesem Bereich ausgeprägt sind.


Im nächsten Schritt können Sie die einzelnen Punkte Ihres Kompetenzprofils miteinander zu einer Linie verbinden und das Gleiche mit den Punkten des Anforderungssprofils tun. Jetzt können Sie auf einen Blick erkennen, inwieweit beide zusammenpassen.

  • Inwieweit stimmt mein Kompetenzprofil mit dem Anforderungsprofil des Unternehmens überein (Übereinstimmungen, leichte Differenzen, grössere Differenzen)?
  • Wo liegen meine besonderen fachlichen Qualifikationen?
  • Wo liegen meine besonderen persönlichen Kompetenzen?
  • Welche Vorteils- und Nutzen-Argumentation kann ich aus dem Profilvergleich ableiten?
  • Wie kann ich hinsichtlich deutlicher Unterschiede zwischen beiden Profilen argumentieren?
  • Was kann ich tun, um diese Unterschiede zu verringern?
  • Verfüge ich über Qualifikationen, mit denen ich mich von anderen Bewerbern abgrenzen kann?